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Lars Lund

08 Sep 2020 15:32

Was tun in milden Wintern

 

Bei mildem Wetter heißt es: rein und raus mit der Luftpolsterfolie

Ich heize mein Gewächshaus nicht zusätzlich, um früher als gewohnt Tomaten, Gurken und dergleichen ernten zu können. Diese stehen bei uns im Haus und erfreuen sich der Wärme dort. Stattdessen säe ich beispielsweise einfachen Salat, Feldsalat, Kohl und Lauch im Gewächshaus. Bei einem milden Winter beginne ich damit bereits im Februar. Im März ziehen meine Zitrusfrüchte, Oliven, der große Rosmarin und mein Agapanthus aus dem etwas dunkleren und isolierten Pflanzenhotel ins Gewächshaus um und damit raus ins Licht. Bei viel Sonne werden es im Gewächshaus schnell mal 30 Grad, wenn man vergisst die Fenster zu öffnen. Doch nachts können die Temperaturen weiterhin auf Minusgrade fallen, und damit liegen die Temperaturen auch im Gewächshaus irgendwo zwischen 0 und minus 1-2 Grad. Die Luftpolsterfolie habe ich bereits entfernt, um das Gewächshaus ordentlich reinigen zu können. Doch sobald Frost angekündigt wird, werden meine Pflanzen nachts wieder damit eingepackt. Außerdem habe ich eine Gasheizung mit Thermostat, die sich in allzu kalten Nächten von selbst einschaltet und Wärme verbreitet. Meistens ist das jedoch nicht erforderlich. Im Moment läuft also alles nach Plan.

 

Es ist ein Ros‘ entsprungen – nur leider viel zu früh

Draußen sieht es etwas anders aus. In einem milden Winter und verhältnismäßig warmen Frühling kann es vorkommen, dass die Rosen im Garten sehr früh neues Pflanzenmaterial ausbilden.  Dann stellt sich die Frage: sollten sie beschnitten werden oder lieber nicht?

 

Als Faustregel gilt, Rosen erst um den 1. Mai herum zu beschneiden, wenn die Gefahr von Nachtfrost vorbei ist. In Schweden heißt es, dass man die Rosen dann beschneiden kann, wenn die Birke anfängt, Blätter zu bekommen, während die dänische Rosenvereinigung der Meinung ist, dass Rosen beschnitten werden sollten, wenn sie anfangen auszutreiben.

 

Doch hier entstehet ein großes Dilemma! Wenn man bis zum 1. Mai wartet, verbrauchen die Rosen bereits einige Energie, um neue Triebe zu bilden. Wenn man die Triebe dann zurückschneidet, war dieser Energieaufwand umsonst. Gleichzeitig beginnen sie dann erst recht zu wachsen, wenn man die Rosen dort beschneidet, wo sie austreiben - manchmal wachsen sie dann sogar noch schneller als vorher. Wenn es dann im April noch einmal Nachtfrost gibt - und das kann leicht passieren -, erfrieren die kleinen neuen Triebe.

 

Ich warte deshalb mit dem Beschneiden der Rosen.

 

Die Natur ist unvorhersehbar und ich denke, das Wissen auch die Rosen. Einige wachsen deshalb ein bisschen langsamer und andere treiben trotzdem aus und erleben, dass ihre Knospen erfrieren.  Ein gewisses Risiko besteht immer und damit müssen wir schließlich alle leben.

 

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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