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Lars Lund

08 Sep 2020 15:32

Hecken schneiden Ende Juni

Obstbäume sollten im Winter und die Gartenhecke Ende Juni geschnitten werden. Der Garten sollte im Herbst umgegraben werden, und Kalk hilft gegen Moos. Es gibt viele alte Gartentraditionen - in diesem Artikel untersucht Lars Lund, welche Traditionen es sich lohnt zu folgen.

 

Von Lars Lund

 

Man sagt es ist einfacher etwas Neues zu erlernen, als etwas bereits Gelerntes wieder zu verlernen. Neue Erkenntnisse zeigen, dass es einige Dinge gibt, die wir im Garten falsch machen, wenn wir eigentlich versuchen unsere Pflanzen bestmöglich zu pflegen.

 

Beginnen wir mit der Gartenhecke. In Dänemark ist es Tradition, die Gartenhecke Ende Juni zu schneiden. Das haben wir von den alten Gärtnern gelernt, die sich um Gutshöfe und königliche Gärten gekümmert haben. Als sie Ende Juni mit dem Heckenschneiden begannen, diente es folgenden Zwecken:

  • Die Hecke sollte gekürzt werden, und um dies zu erreichen, war es notwendig, die Hecke mindestens zweimal im Sommer zu schneiden.
  • Außerdem hatten die Gärtner Ende Juni am meisten Zeit, denn die Gemüse- und Ziergärten waren fertiggestellt und konnten zeitweise ohne aufwendige Pflege auskommen.

 

Moderne Forschungen zeigen jedoch, dass es besser ist, die Hecke erst Ende Juli zu beschneiden, also einen ganzen Monat später.  Das Wurzelsystem hat die Aufgabe, die Blätter der Pflanzen mit Nahrung zu versorgen, doch das Wurzelwerk ist ebenso abhängig von den Blättern. Die Wurzeln benötigen den Zucker, den die Blätter mit der Photosynthese produzieren, um sich zu entwickeln. Das ist auch der Grund warum so schnell neue Triebe wachsen, wenn man einen Ast abschneidet - die Pflanze ist in ihrem Wurzel- und Blatt- Gleichgewicht gestört und versucht diese Störung schnellstmöglich auszugleichen. Ende Juli haben die Blätter der Hecke dem Wurzelwerk ausreichend Nahrung zugeführt und können daher zurückgeschnitten werden. Schneidet man die Hecke zu oft, erhält man ein schwaches Wurzelwerk, das schneller Krankheiten ausgesetzt ist.

 

Kalk gegen Moos

Gleiches gilt für Grasflächen: zu Beginn und am Ende der Saison sollte das Gras nicht zu kurz geschnitten werden. Der Grund dafür ist der gleiche wie bei der Hecke: die Graswurzeln werden stärker, indem man das Gras etwas höher wachsen lässt. Höheres Gras hilft auch gegen Moos, weil die Graswurzeln die Gelegenheit haben sich besser zu entwickeln und kräftiger werden. So produzieren sie mehr Blätter und können sich gegen das Moos behaupten.

 

Kalk hilft gegen Moos, heißt es. Ja, Rasendünger mit Kalkzusatz wird verkauft und es wird damit beworben, dass der Kalk das Moos fernhält. Das ist jedoch nicht unbedingt richtig. Jeder Greenkeeper weiß, dass man einem Golfplatz nicht einfach Kalk zuführt, sondern erstmal prüft, ob der Rasen den Kalk überhaupt benötigt. Wenn die Pflanzen nicht genug Kalk bekommen, können sie eine Reihe an notwendigen Mineralien nicht aufnehmen. Umgekehrt wird das Wachstum negativ beeinflusst, wenn das Gras zu viel Kalk abbekommt – das gleiche gilt übrigens auch für den Gemüsegarten. Daher sollte allein eine Bodenprobe bestimmen, ob der Boden zusätzlichen Kalk bekommt oder nicht. Ein lehmiger Boden enthält oft genug Kalk, aber auch hier lohnt sich eine Bodenprobe, um festzustellen, ob genug vorhanden ist. Kalk kann man einzeln kaufen und ganz einfach unter den Dünger mischen. Trotzdem versuche ich Rasendünger mit Kalk gänzlich zu umgehen. Es gibt nämlich Moose, die in einem kalkhaltigen Boden besonders gut gedeihen.

Eine weitere Methode Moos zu beseitigen ist Eisenvitriol bzw. Eisensulfat zu verwenden. Eisenvitriol enthält Eisen und Schwefelsäure. Zu viel Eisen im Boden hat jedoch den gleichen Effekt wie zu viel Kalk: es erschwert die Aufnahme anderer Mineralien. Daher kann Eisenvitriol im schlimmsten Fall das Wachstum des Grases hemmen. Die Gefahr ist jedoch geringer als beim Kalk. Eisenvitriol kann jedoch Verunreinigungen auf Fliesen und Holz verursachen.

 

Obstbäume

Das Beschneiden von Obstbäumen war schon immer eine Aufgabe für den Winter, da sich die Bäume im Winter in einem Ruhezustand befinden und daher nicht bluten. Doch das ist nicht unbedingt die beste Lösung. Ein Großteil der Fachwelt hat sich dafür entschieden, die Obstbäume stattdessen dann zu beschneiden, wenn sich der Baum in der Wachstumsphase befindet. Der Grund dafür ist, dass man einfacher erkennen kann, wo ein Baum beschnitten werden muss. Ob ein Baum mehr Luft in der Krone benötigt, ist beispielsweise besonders dann sichtbar, wenn er Blätter hat. Darüber hinaus heilt ein Baum in der Wachstumsphase besser als im Ruhezustand und schließt die Schnittstellen, bzw. Wunden schneller, sodass es seltener zu Pilzerkrankungen kommt. Außerdem haben die Blutungen, die gegebenenfalls auftreten, meist keine große Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu erwähnen, dass es in Dänemark üblich ist Weinreben im Winter, also kurz vor Neujahr zu beschneiden, um Blutungen zu vermeiden, während man die Reben in Frankreich vorzugsweise dann beschneidet, wenn sie bluten.

 

Weg mit dem Spaten

Einen Garten umzugraben ist harte Arbeit - außerdem ist es in vielen Fällen völlig unnötig.

 

Der Boden besteht aus nützlichen Pilzen, Milliarden kleiner Mikroorganismen, Regenwürmern und anderen kleinen Tierchen. Die Pilze und Mikroorganismen leben in den verschiedenen Schichten des Bodens und tragen dazu bei, die Pflanzen mit wichtigen Mineralien und Düngemitteln zu versorgen. Wenn man den Garten umgräbt, werden diese Schichten durcheinandergebracht und es dauert einige Zeit, bis das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist.

Gleichzeitig darf der Boden nicht zu fest sein. Wenn dies der Fall ist, sollte er umgegraben und mit Sand und/oder Kompost ergänzt werden. Wenn es sich um reinen Sandboden handelt, sollte Kompost hinzugefügt werden, während Lehmboden mit Sand versetzt werden sollte. Hier ist es nötig den Boden umzugraben. Sobald der Boden aber eine gute Zusammensetzung aufweist, sollte der Gemüsegarten künftig nur noch kultiviert, und mit Vorteil jedes Jahr mit frischem Kompost versetzt werden. Dieses Prinzip kennt man meist von Hochbeeten, kann aber ebenso auf gewöhnliche, flache Beete übertragen werden.

 

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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