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Drivhusklubben

08 Sep 2020 15:33

Der Traum von einer Orangerie 3

Im Endspurt eines Bauvorhabens muss alles klappen. Besonders wenn das Ergebnis für eine große Veranstaltung eingeplant wurde, ist es wichtig, dass die Frist nicht überschritten wird.  Und trotzdem lässt sich das kaum vermeiden und dann ist guter Rat teuer. Ganz buchstäblich. Hier kommt der dritte und letzte Teil über den Hof Rabarbergaarden und deren Traum von einer Orangerie.

Text und Foto: Louise Køster, Rabarbergaarden

Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Beharrlichkeit führt zum Ziel. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Guter Rat ist teuer. Das sind gute alte Sprichwörter, die alle samt auf den Bau der Orangerie auf dem Hof Rabadergaarden zutreffen.

Wir waren sehr optimistisch, hier auf dem Rababergaarden. Das muss man sein, wenn man daran arbeitet Selbstversorger mit Bio- Gemüse und -Fleisch für das eigene Restaurant zu werden. Deswegen hatten wir in unserem Optimismus auch eine Veranstaltung für ein großes Unternehmen geplant, dass natürlich in der neuen Orangerie stattfinden sollte. Der ursprüngliche Bauplan sah vor, dass der Bau der Orangerie etwa drei Wochen vor der geplanten Veranstaltung fertiggestellt werden sollte. Aus unserer Sicht war das ausreichend Zeit, um unsere Vorhaben stressfrei umzusetzen.

Doch wir mussten feststellen: es ist nicht alles Gold was glänzt - um noch ein Sprichwort zu verwenden.

Die Monteure von Juliana hatten die Glasscheiben und die Türen montiert, Fugen gezogen und alles noch einmal überprüft. Das Haus stand groß und schön dort, wo es sein sollte. Nun fehlte nur der letzte Teil, nämlich der Bodenbelag. Wir hatten schöne, rote Backsteine ausgewählt, die auf kleinen Paletten bereitstanden. Kies- und Steinmehl standen ebenfalls bereit, um unter und zwischen die roten Steine zu kommen.

Nun fehlte nur der Pflasterer, mit dem wir einen Termin vereinbart hatten, an dem er mit seiner Arbeit beginnen sollte. Dieser Tag kam, doch Pflasterer kam nicht.

Es kann vorkommen, dass ein Handwerker nicht am vereinbarten Tag oder zu der vereinbarten Uhrzeit auftaucht. Wir schickten also eine freundliche Erinnerungs-SMS auf den Weg. Doch auch am nächsten Tag hatten wir nichts vom Pflasterer gehört. Wir griffen also zum Telefon und riefen ihn immer wieder an.

Nach einer Woche bekamen wir endlich eine Antwort. Der arme Pflasterer litt an Erschöpfung. Er hatte zu viele Aufträge angenommen und war gezwungen das Handtuch zu werfen und eine Auszeit zu nehmen. Er bedauerte sehr, dass wir darunter leiden mussten.  

Wir wollen und können uns nicht darüber ärgern, wenn Leute krank werden. Das kann uns alle treffen und wenn es jemanden trifft, ist es wichtig Mitgefühl und Verständnis zu zeigen. Stattdessen begann nun die Suche nach einem neuen Pflasterer. Wir hatten bereits eine Woche in unserem Zeitplan verloren. Das hieß nur noch zwei Wochen zwischen Fertigstellung der Orangerie und der bevorstehenden Veranstaltung.

Wir können nun mit Sicherheit sagen, dass es viel zu wenige Pflasterer in Dänemark gibt. Es war beinahe unmöglich einen ausfindig zu machen. Gott sei Dank, kennen wir viele Handwerker, Tischler, Maurer und Klempner. Diese können zwar keine Backsteine verlegen, kennen aber dafür wiederum andere Handwerker. Deswegen wurde die ganze Truppe zusammengetrommelt und um Hilfe gebeten.

Flaschen mit Wein wurden als Dankeschön an den- oder diejenige versprochen, die uns einen Kontakt mit einem Pflasterer vermitteln konnten, der bereit war, umgehend mit der Arbeit zu beginnen.

Und wie so oft endetet es mit jemandem-der-einen-kennt-der-einen-kennt-der-einen-Freund-hat-der- einen-kennt-der-Pflasterer ist. Der Einsatz wurde mit besagtem Wein belohnt und ein neuer und teurerer Termin wurde mit dem neuen Pflasterer vereinbart. Und auch der Zeitplan wurde erneut angepasst – nun waren es nur noch fünf Tage zwischen der Fertigstellung der Orangerie und der absoluten Deadline!

 

Möbel

Während der Suche nach einem neuen Pflasterer wurden die Möbel für die Orangerie geliefert. Wir hatten die schönen Selandia Möbel von Skagerak Dänemark ausgewählt. Diese werden aus Teakholz gefertigt und sind FSC Zertifiziert, was wir für uns äußerst wichtig ist. Wir hatten bereits die schönen Drachmann Möbel, ebenfalls von Skagerak, draußen im Rosengarten, und wollten so einen zusammenhängenden Stil schaffen.

Die Selandia Möbel sind zierlicher als die Drachmann Möbel und können leichter bewegt werden, entweder um eine lange Tafel oder mehrere kleine Tische aufzubauen. Da wir die Möbel für unser Restaurant benutzen wollten, war uns das sehr wichtig.

Alle Möbel wurden auf Palletten in vielen Boxen geliefert, und während wir darauf warteten, dass der Boden verlegt wurde, begannen wir damit die Tische und Stühle auszupacken. Und das war eine weitaus größere Aufgabe als zuerst angenommen.

 

Im letzten Augenblick

Wir saßen dem Pflasterer-Team buchstäblich im Nacken. Am Tag vor der Veranstaltung, oder genauer gesagt am Abend vor der Veranstaltung, wurde das letzte Steinmehl in die Orangerie gefahren und mühsam zwischen den Backsteinen verteilt.

Spät am Abend, mitten im Juni, konnten dann endlich die Möbel in die Orangerie getragen und alles für die Veranstaltung am nächsten Tag vorbereitet werden.

Früh am nächsten Morgen, kamen die Elektriker und schlossen den Strom an, und ungefähr zwei Stunden bevor die Firma, die die Orangerie gebucht hatte, ankam, war alles fertig.

Der Tag stellte sich als sehr sonnig und heiß heraus, sodass die Gäste tagsüber nach draußen zogen, weil es in der Orangerie viel zu warm war. Doch das konnte uns unsere Freude nicht nehmen: wir hatten es tatsächlich geschafft die Ziellinie zu erreichen und die Orangerie fertig zu stellen. Unser Traum von einer Orangerie auf dem Hof ist wahr geworden.

Aber wir haben uns auch ein paar Anmerkungen gemacht: Wir brauchen mehr Schatten! Und für ein anderes Mal: Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.

 

Noch immer nicht ganz fertig

Den ganzen Sommer brachte die Orangerie uns Freude und gab unseren Gästen, die noch spät im Restaurant aßen, die Möglichkeit draußen zu sitzen, denn abends kann es in Dänemark kalt werden. Mit der Orangerie können unsere Gäste drinnen sitzen und gleichzeitig der Natur nahe sein. Sie können geschützt die Aussicht genießen und gleichzeitig unser Menu essen.

Im Herbst benutzten wir die Orangerie, um den vielen Gästen, die an den Wochenenden kommen, Kaffee und Kuchen zu servieren. Im Winter bietet die Orangerie den Rahmen für einen Weihnachtsmarkt, Glühwein, Weihnachtsbingo und vieles mehr.

Doch wir sind noch immer nicht ganz fertig, aber ich glaube das werden wir auch nie. Es gibt ständig neue Ideen, die man umsetzen kann. Die nächsten Projekte, die in Angriff genommen werden sollen, sind schattenspendende Pflanzen ins Gewächshaus zu pflanzen und eine Wärmequelle im Haus zu installieren. Wir erwägen einen Holzofen mit Glastür, in dem man das Feuer beobachten kann.

Außerdem sollen Fliesen außerhalb des Gewächshauses auf dem Fundament verlegt werden und wir müssen überlegen welche Farbe und Muster diese Fliesen haben sollen.

Darüber hinaus hatten wir einige Probleme mit Wasser, dass ins Haus gekommen ist. Gott sei Dank, hat das serviceorientierten Team von Juliana bereits weitere Dachrinnen installiert, damit das Wasser von der großen Dachfläche ablaufen kann. Das Wasser sammeln wir jetzt in einer Regentonne, und benutzen es für die Pflanzen im Gewächshaus und auf dem Hof.

 

Guter Rat muss nicht unbedingt teuer sein

Von uns an Euch – ein paar gute Ratschläge (und die sind gratis)

  1. Recherche und Planung ist das A und O, auch wenn der Zeitplan nicht immer hält was er verspricht. Je genauer man weiß, was man bauen möchte und welche Kosten auf einen zukommen, desto einfacher ist es unvorhersehbares zu hantieren und Unkosten zu vermeiden.
  2. Benutzen Sie nur Materialen von guter Qualität. Ihr Gewächshaus soll Ihnen viele Jahre lang Freude bereiten, und mit guten Materialen wird es mit den Jahren nur schöner und hält länger.
  3. Tun Sie es! Wir leben nur einmal und es wäre schade, wenn man seinen Traum nicht auslebt.

 

Alles hat seinen Preis

Wie im zweiten Teil unserer Geschichte beschrieben, ist der Bau einer Orangerie ein wenig kostspielig, wenn man mitten im Projekt die Handwerker wechselt. Insgesamt kosteten die Bauarbeiten ohne Inventar DKK 378.000,00 (€50.790).

Für ein Unternehmen lohnt sich der Bau einer Orangerie jedoch auch ökonomisch, da man die Saison verlängern und den Gästen ein neues Erlebnis bieten kann.

Unsere Orangerie ist eines der größeren Modelle, betoniert und isoliert, mit Strom und allem. Aber nicht jeder braucht so ein großes Haus mit so viel Ausstattung. In Ihrem eigenen Garten kann ein kleineres Gewächshaus genügen. Träumen Sie allerdings konkret von einer Orangerie, können wir nur empfehlen diesen Traum auch auszuleben.

Beste Grüße

Thomas & Louise Køster

Rababergaarden