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Nanna Stærmose

08 Sep 2021 15:00

Der Traum von einer Orangerie

Wie schafft man es den Traum von einer großen Orangerie in die Wirklichkeit umzusetzen, ohne im Prozess Pleite zu gehen oder sich zu zerstreiten? In dieser Artikelserie spricht Louise Køster vom Hof Rabarbergaarden darüber, wie der Traum Wirklichkeit wurde. 

 

Text und Foto: Louise Køster, Rabarbergaarden

 

Wir sind in den letzten Jahren viel in England gereist, und wenn sie dort eines können, dann ist es Gewächshäuser und Orangerien ganz anders zu nutzen, als wir es hier zu Hause gewohnt sind.

In England nutzen sie ihre Gewächshäuser oft als einen möblierten Aufenthaltsraum. Nicht nur Privatpersonen nutzen ihre Gewächshäuser und Orangerien anders, sondern auch Gärtnereien und Hofrestaurants, sogenannte farm restaurants.

Petersham Nurseries in Richmond, etwas außerhalb von London, ist einer dieser Orte. Hier haben sie die großen alten Gewächshäuser zu einem feinen Teehaus, einem wundervollen Restaurant und zu einer Gärtnerei umgebaut.

Unser erster Besuch 2016 hat uns inspiriert ebenfalls von einer Orangerie für den Rabarbergaarden zu träumen. Ein Traum, der uns auf eine Reise führte, bei der Ort, Dimensionen, Materialien, Licht, Schatten und nicht zuletzt die Akustik Kopfzerbrechen und Überraschungen bereiteten.

 

Warum eine Orangerie für den Rabarbergaarden?

Weil uns der Platz fehlt, nicht für Pflanzen, sondern auch für Gäste. Seit wir 2015 das Restaurant von Tisvildes belebter Hauptstraße auf den Hof verlegt haben, haben wir immer mehr Gäste, die im Hofrestaurant essen möchten, im Laden einkaufen und mitverfolgen, wo das Bio-Gemüse, die Bio- Beeren, das Bio-Obst und Bio-Fleisch herkommt.

Das Restaurant vom Rabarbergaarden befindet sich im alten Hofgebäude von 1875, und wir haben keine Möglichkeit das Restaurant zu vergrößern, außer wir ziehen aus.

Daher hat uns der Besuch in Petersham dazu inspiriert, eine Orangerie als Erweiterung unseres Restaurants und unserer Arbeit in Betracht zu ziehen. 

2013 haben wir unser erstes Juliana Gartner Gewächshaus bekommen und das hat uns über die Jahre einen guten Dienst erwiesen. Das Juliana Gartner ist ein solides Gewächshaus, dessen Design außerdem sehr gut zu unserem Hof passt.

Daher hat es für uns Sinn gemacht auf der Suche nach einer Orangerie ebenfalls bei Juliana zu schauen. Ein neues Gewächshaus bedeutete jedoch Veränderung. Die ursprüngliche Größe von 21 m2 sollte mehr als verdoppelt werden. Der Fliesenboden sollte ausgehoben, isoliert und das Fundament neu gegossen werden. Das Gewächshaus, das als Arbeitsplatz gedient hatte, sollte zu einer Orangerie umgebaut werden, die sowohl ein Restaurant beherbergen sollte als auch grüne Pflanzen. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man drinnen sitzen und gleichzeitig der Natur nahe sein kann.

Wo fängt man an?

Es gibt einiges zu beachten, wenn man eine Orangerie in dieser Größe bauen möchte. Daher haben wir eine Liste mit wichtigen Fragen erstellt, um den Überblick zu behalten:

  • Standort: Wo macht es am meisten Sinn die Orangerie zu Platzieren in Bezug auf die Nutzung und die bereits vorhandenen Gebäude?
  • Größe: Wie groß muss die Orangerie sein, damit sie uns die Möglichkeiten bietet, die wir uns wünschen?
  • Einrichtung: Was soll die Orangerie abgesehen von genügend Platz noch beinhalten?: Bodenbelag, Strom, Heizung, Beleuchtung, Möbel.
  • Vor- und Nachteile: Was leistet die Orangerie abgesehen davon, dass sie mehr Platz bietet?; z.B. neue Möglichkeiten für Außenraum, beeinträchtigt die Aussicht.
  • Genehmigungen: Es muss eine Baugenehmigung vorliegen.
  • Budget: Wie viel darf das Projekt kosten, inklusive allem?

 

Standort

Zunächst entschieden wir wo die neue Orangerie platziert werden sollte, und die sollte genau dort stehen, wo unser Gartner-Gewächshaus stand. Das bedeutete, dass das Gartner Gewächshaus ebenfalls einen neuen Platz benötigte. Das warf neue Fragen auf; Wo sollte das alte Gewächshaus stehen? Was würde das für Vor- und Nachteile haben? Und was würde der Ab- und Aufbau kosten?

Der neue Standort für das Gartner-Gewächshaus war schnell gefunden. Das alte Gewächshaus sollte in unsere kleine Gärtnerei umziehen, wo wir Pflanzen und Obststräucher heranziehen und einige unserer Rhabarberpflanzen stehen haben. Mit dem Umzug des Gewächshauses boten sich neue Möglichkeiten: wir konnten es für den Verkauf von Pflanzen und Gartenausstattung nutzen, ebenso wie für Gartenworkshops und individuelle Kundenbetreuung. Auch davon hatten wir seit einiger Zeit geträumt.

Finanziell mussten wir den Abbau und Aufbau des Juliana Gartners in das Budget einplanen, sowie einen neuen Bodenbelag im Gewächshaus verlegen.

 

Größe

Es ist immer spannend, über Größe zu sprechen, wenn man von einer Orangerie träumt. Denn kann eine Orangerie überhaupt groß genug sein? Wir wollten gerne 35 sitzende Gäste unterbringen können. Wir wollten die Möglichkeit sowohl Einzeltische für Abende mit à la carte Menü aufstellen zu können als auch eine lange Tafel mit Platz für mindestens 30 Personen.

Wir hatten uns bereits entschieden ein Juliana Gewächshaus zu kaufen und als wir den Standort gewählt hatten, ergab sich die Größe ganz von selbst. Die Orangerie sollte mit den Längsseiten nach Osten und Westen ausgerichtet werden, deshalb gaben die Stallgebäude und das Haupthaus automatisch die Größe des Gewächshauses vor. Wir haben uns ziemlich schnell für das Botanica-Modell entschieden. (Diese Produktreihe ist nicht länger verfügbar. Einen Überblick über die aktuellen Modelle und weitere Informationen finden Sie unter www.de.juliana.com) Das Botanica-Modell hatte eine solide Konstruktion, die zu dem von uns gewünschten Fundament und Sockel passte. Mit 52 m2 hatte es außerdem die richtige Größe, um die gewünschte Anzahl an Gästen unterbringen zu können.

 

Einrichtung

Die Einrichtung einer Orangerie ist ebenso wichtig wie die Wahl des richtigen Modells. Für uns war es wichtig, dass die Orangerie das ganze Jahr über genutzt werden kann. Daher haben wir uns für ein gedämmtes Fundament entschieden. Außerdem wollten wir einen Bodenbelag, der im Laufe des Tages Wärme speichern kann und mit der Nutzung schöner wird. Daher haben wir uns für rötlich gebrannte Backsteine entschieden, die die Wärme nicht nur aufnehmen, sondern diese auch ausstrahlen.

Da die Orangerie auch abends genutzt werden sollte, war es notwendig für ordentliches Licht zu sorgen und deshalb musste die Orangerie auch mit Strom versorgt werden.

Wenn man eine Orangerie das ganze Jahr über nutzen möchte, ist es außerdem wichtig sich über Heizlösungen Gedanken zu machen. Wir waren uns einig, dass es eine Form von lebendigem Feuer werden sollte, doch ob ein Holzofen mit Schornstein oder ein gemauerter Kamin, dazu konnten wir uns zunächst nicht einig werden. Deshalb verschoben wir diese Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt. 

In Bezug auf die Einrichtung konnten wir uns jedoch schneller einigen. Die Möblierung sollte die Möglichkeit bieten sowohl Einzeltische für Abende mit à la carte Menü aufstellen zu können als auch eine lange Tafel mit Platz für mindestens 30 Personen. Wir hatten bereits die Möbelkollektion Drachmann aus FSC zertifiziertem Teakholz von der Firma Skagerak Dänemark auf dem Hof. Uns war es wichtig ein einheitliches Bild zu schaffen, deshalb wollten wir für die Orangerie ebenfalls Möbel der Firma Skagerak verwenden.

Da die Drachmann-Möbel jedoch relativ schwer zu bewegen sind und viel Platz einnehmen, entschieden wir uns stattdessen für die Selandia-Serie. Hierbei handelte es sich um zierlichere Möbelstücke, aber dennoch aus FSC-zertifiziertem Teakholz.

 

Vor-und Nachteile

Beim Bau neuer Gebäude gibt es immer Vor- und Nachteile. Wir zeichneten eine Skizze der Orangerie in Bezug auf die umstehenden Gebäude, und was deutlich auffiel, war ein Hof, der plötzlich geschlossener und intimer wurde.

Es entstand ein neuer Raum, den wir schnell „Rosengarten“ tauften. Denn sobald die Orangerie fertig war, wollten wir durch das Aufstellen eines Spaliers am Ende des Platzes im Westen, eine Wand aus Kletterrosen pflanzen und so einen Rosengarten anlegen. Ein Raum, in dem die Gäste im Duft von Rosen sitzen und eine Tasse Kaffee oder ihr Essen genießen können. Das war auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.

Auf der anderen Seite versperrte die Orangerie den schönen Ausblick auf Pferdekoppeln und Felder, den man vorher vom Hof ​​aus hatte. Zwar würden die Gäste die Aussicht über die Felder auch aus der Orangerie und durch das Glas genießen können, doch aus dem ersten Stock des Hauptgebäudes würde die Aussicht versperrt werden.

 

Genehmigungen

Grundsätzlich benötigt man in den meisten Gemeinden eine Baugenehmigung, sobald man ein Bauvorhaben mit über 10m2 plant. Da wir aber an einer Stelle bauen wollten, wo zuvor ein 21m2 großes Gewächshaus stand, und davor ein Stallgebäude, konnten wir auf Grundlage dieser vorherigen Genehmigung bauen und brauchten keine neue beantragen.

Dort, wo das Gartner-Gewächshaus neu aufgebaut werden sollte, hatte zuvor ebenfalls ein Gewächshaus gestanden, also mussten wir auch dort keine Genehmigung beantragen.

Doch auch wenn man eine Genehmigung benötigt, ist diese meist nicht schwer zu bekommen. Dafür empfiehlt es sich die zuständigen Behörden zu kontaktieren, um relevante Informationen und Formulare zu erhalten.

 

Budget

Es ist teuer zu bauen und oft teurer, als man auf den ersten Blick denkt. Daher ist es wichtig, gründlich zu recherchieren und einen „Puffer“ in das Baubudget einzuplanen. Auf dem Weg zum Endresultat gibt es oft unvorhergesehene Herausforderungen, dessen Lösungen Geld kosten. All diese Erfahrungen haben wir aber auch erst im Planungs- und Bauprozess gemacht.

Wir begannen mit den Recherchen und legten ein Budget fest und ja, das haben wir trotz genauer Planung überschritten. Warum und wie viel verraten wir in den anderen Artikeln dieser Reihe.

 

 

Im nächsten Abschnitt enthüllen wir, wie unser erstes Budget aussah, wie kompliziert es ist, Zeichnungen verschiedener Handwerker zusammenzufügen und natürlich, wie toll es sich anfühlt den Grundstein für den Traum von einer Orangerie zu legen.

 

Weitere Infos und Inspiration finden Sie unter:

www.rabarbergaarden.dk

Instagram: rabarbergaarden.dk

Facebook.com/Rabarbergaarden

Om Nanna Stærmose

Freiberufliche Journalistin aus Dänemark.

Nanna ist die Autorin der vielen Artikel des Gewächshausclubs. Nanna besucht glückliche Gewächshausbesitzer und erzählt ihre Geschichten, sowohl über traditionelle Anbauprojekte als auch über die kreative Nutzung ihres Gewächshauses.

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