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Nanna Stærmose

19 Jan 2021 11:21

Oh nein - ich überfordere meine Pflanzen!!!

Im Winter Pflanzen anzubauen ist eine lustige Disziplin. Doch gerade als ich mich darauf freute, die ersten kleinen, grünen Blättchen auf meiner Fensterbank bewundern zu können, wurde mir gesagt, ich würde meine Pflanzen überfordern. Das Urteil fiel von Christine Wiemann, Gärtnerin und Inhaberin des dänischen online Gartenunternehmens Spirekassen, die mir daraufhin ein wenig Nachhilfe in Sachen Wintergemüse gab.

 

Von: Nanna Stærmose

 

Ich fühlte mich ganz euphorisch, denn nur wenige Wochen nachdem ich das Saatgut für mein Wintergemüse in die Erde gebracht hatte, entstanden kleine, feine und grüne Triebe mit noch feineren, kleinen, grünen Blättern daran. Für einen Stadtbewohner wie mich, kommt das einem Wunder nahe.

 

Voller Tatendrang, dachte ich, meine Pflanzen (Tomaten, Chili, Petersilie und Spinat) hätten gerne etwas mehr Platz und einen eigenen Topf. Deshalb pflanzte ich sie von den Torfquelltöpfen, in die ich die Samen gesät hatte, in selbstgemachte Töpfe aus Zeitungspapier mit Kakteen- und Sukkulentenerde.

In der Gärtnerei wurde ich verwundert angesehen, als ich nach Pflanzenerde für Anzucht und Aussaat fragte - es war schließlich außerhalb der Saison. Neue Pflanzen benötigen nährstoffarmem Boden, wie mir erklärt wurde, und deshalb war Kakteen- und Sukkulentenerde die beste Alternative.

 

Hoppla! Die Tomaten sollten nicht auf den Balkon

Ein paar Tage nachdem ich die kleinen Pflänzchen umgepflanzt hatte, schien die Septembersonne warm und schön direkt auf meinen Balkon, und ich dachte, meinen kleinen Setzlingen würden die frische Luft und warme Sonne guttun. Also stellte ich sie nach draußen - nur für ein paar Stunden.

 

Ich meinte zu beobachten, wie sich die kleinen Pflänzchen freudig der Sonne entgegenstreckten und mir dankbar zunickten. Doch anscheinend bin ich doch nicht so gut darin Pflanzen zu lesen. Denn als ich ein paar Tage später ein Bild von meinen Pflänzchen an Christine Wiemann von Spirekassen schickte, lautete es prompt: "Hoppla- Tomaten und Chilis sollten jetzt überhaupt nicht draußen sein."

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Zum Anbauen von Gemüse gibt es keine feste Formel. Es geht, wie Christine es ausdrückt, "mehr darum, die Signale und die Sprache der Pflanzen zu verstehen".

"Du überforderst deine Pflanzen"

Nach einem langen Gespräch war klar, dass ich mein Engagement wahrscheinlich etwas reduzieren sollte.

 

„Du belastest deine Pflanzen mit dem was du tust", erläutert Christine.

 

„Als Faustregel gilt, den Setzling erst dann auszupflanzen, wenn er erwachsene Blätter gebildet hat", erklärt sie.

 

Ich weiß nicht, wie ein erwachsenes Blatt aussieht, aber Christine erklärt, dass diese Blätter kleinen „Kerben“ haben, und so sehen wie „echte“ Blätter und sich so deutlich von den kleinen, geraden und feinen Keimblättern unterscheiden.

 

Wenn es um die Verwendung von Töpfen aus Zeitungspapier geht, sagt die Expertin, dass sie, obwohl sie niedlich aussehen, auch einige Nachteile haben. Das Zeitungspapier saugt viel Wasser auf, das verdunstet, bevor die Pflanzen Zeit haben, es aufzunehmen. Dadurch verbraucht die Pflanze zu viel Energie dafür aufgrund des Wassermangels gestresst zu sein. Das Wasser benötigt sie, um den Druck des Zellsafts und die Temperatur zu regulieren und aufrechtzuerhalten.

"Außerdem ist das Zeitungspapier voller Druckerfarbe", sagt Christine, betont aber auch, dass es natürlich Geschmackssache ist und dass man die Verdunstung reduzieren kann, indem man die Töpfe dicht nebeneinander platziert, damit sie mehr Feuchtigkeit behalten.

 

"Man sollte sich aber bewusst sein, dass Pflanzen, die zu nahe beieinanderstehen, um Licht und Platz konkurrieren und so oft schneller in die Höhe wachsen und beispielsweise zu lange Stängel bekommen. Das kann am Ende zu einer schlechteren Pflanze führen."

 

Ich bin noch immer verwirrt, bin mir aber auch bewusst, dass es keine endgültigen Antworten gibt. Zum Anbauen von Gemüse gibt es keine feste Formel. Es geht, wie Christine es ausdrückt, „mehr darum, die Signale und die Sprache der Pflanzen zu verstehen".

 

Künstliches Licht

Und ich muss noch etwas lernen. Nachdem wir meine Pflanzen gemeinsam begutachtet haben, stellen wir fest, dass sie zu schnell gewachsen sind (auch ohne zu nahe beieinander zu stehen). Sie haben zu viel Wärme und zu wenig Licht bekommen.

 

Also muss ich dafür sorgen meinen Pflanzen mehr Licht zur Verfügung zu stellen. In der Box zum Gartenbau im Winter, die ich online bei Christine bestellt hatte, wurde auch eine LED-Lampe mitgeliefert - tatsächlich benötigen die Pflanzen zwischen 12 und 14 Stunden Licht am Tag, sagt die Expertin.

 

Ich frage vorsichtig, ob ich die Pflanzen möglicherweise in ein nach Westen ausgerichtetes Fenster stellen kann, in das von Natur aus mehr Licht kommt. Und ja, das ist eine gute Idee, sagt die Expertin.

Jetzt haben meine Pflanzen einen Platz im Schlafzimmerfenster bekommen. Zum Glück muss ich mir nachts keine Sorgen um sie machen, denn Christine sagt, dass Pflanzen am liebsten acht Stunden durchschlafen – und das passt mir ganz gut!

Christines feedback til min fremgangsmåde

CHRISTINES FEEDBACK ZU MEINEM VERFAHREN

  1. Ich habe Torfquelltöpfe zum Säen verwendet – das sind kleine Pellets, die in Wasser aufquellen. In diese Torfquelltöpfe habe ich dann jeweils ein paar Samen gepflanzt.

Christines Kommentar: Ein einziger Samen pro Torfquelltopf ist völlig ausreichend.

  1. Diese Torfquelltöpfe habe ich dann in ein Gewächshausregal von Juliana gestellt – das Regal ist für Bewässerung von unten gedacht und daher dicht. Und obwohl die Setzlinge von oben bewässert werden müssen, kann es praktisch sein so ein Regal zu verwenden, um evtl. überschüssiges Wasser aufzufangen. Ich habe die Torfquelltöpfe in eine Keimschale aus Plastik mit einem Loch im Boden gestellt, aber im Prinzip könnten sie wahrscheinlich direkt im Gewächshausregal stehen.

Christines Kommentar: Das klingt gut.

  1. Die Torfquelltöpfe mit den Samen haben an den dunkelsten Tagen zusätzlich LED-Licht bekommen – eine passende Glühbirne verkauft Christine in ihrem online Shop. Die Glühbirne kann in eine normale Fassung gedreht werden und ist von einem breiten Stück Plastik umgeben, dass das Licht über eine größere Fläche hinweg verteilt.

Christines Kommentar: Die Samen sollten zwischen 12 -14, gerne auch 16 Stunden Licht pro Tag bekommen - zu dieser Jahreszeit benutze ich eine günstige Zeitschaltuhr, die dafür sorgt, dass das Licht 14-16 Stunden am Tag brennt, ohne dass ich mich darum kümmern muss. Ich muss also nur daran denken, die Pflanze täglich zu drehen, damit sie gleichmäßig und harmonisch wächst.

  1. Ich habe die kleinen Pflänzchen nach drei Wochen in Töpfe aus Zeitungspapier umgepflanzt. Es ist einfach und macht Spaß, Töpfe aus Zeitungspapier herzustellen. Viele verwenden diese selbstgemachten Töpfe zum Keimen, und pflanzen die Setzlinge hinterher in gewöhnliche Pflanzenerde.

Christines Kommentar: Das braucht man nicht – man kann einfach warten, bis die Pflanze erwachsene Blätter bekommen hat. Als Faustregel gilt, den Setzling dann auszupflanzen, wenn er zwei Sätze ausgewachsener Blätter gebildet hat, d.h. insgesamt vier Blätter. Die erwachsenen Blätter sehen anders aus - sie haben normalerweise mehrere "Kerben" und ähneln einem „richtigen“ Blatt, während die Keimblätter am Rand völlig gerade und fein sind.

  1. Was mache ich jetzt? - Es geht mir darum, meinen Pflanzen die besten Bedingungen zu bieten, ohne sie zu belasten.

Christines Kommentar: Du gibst den Tomaten viel Licht und pflanzt sie in Plastiktöpfe mit einem Loch im Boden (in gewöhnliche Blumenerde), wenn sie soweit sind, d.h. vorzugsweise einen Durchmesser von 30 cm haben, kannst du auch von unten mit dem Gießen beginnen (und trotzdem weiterhin von oben gießen). Nach einigen Wochen in der neuen Blumenerde empfiehlt es sich, die Pflanzen einmal pro Woche zu düngen, beispielsweise mit Flüssigdünger. Und dann muss man sich in Geduld üben und die Pflanzen wachsen lassen.  Wenn alles gut geht, gibt es im Januar leckere Tomaten.

Mit Chili funktioniert es genauso. Petersilie und Spinat hingegen sollten draußen angebaut werden, also hinaus mit ihnen auf den Balkon. Sie sollten am besten direkt an der Hauswand stehen, so stehen sie gut geschützt.

 

Christine Wiemann ist Inhaberin des dänischen online Gartenunternehmen Spirekassen, das Bio-Saatgut verkauft.

Lesen Sie mehr und bestellen Sie online bei (Diese Webseite ist nur auf Dänisch verfügbar) Spirekassen.nu
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Om Nanna Stærmose

Freiberufliche Journalistin aus Dänemark.

Nanna ist die Autorin der vielen Artikel des Gewächshausclubs. Nanna besucht glückliche Gewächshausbesitzer und erzählt ihre Geschichten, sowohl über traditionelle Anbauprojekte als auch über die kreative Nutzung ihres Gewächshauses.

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