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Alexandra Lehne

05 Jul 2022 14:42

10 Tipps für Gewächshaus Einsteiger

Text & foto: Alexandra Lehne

 

Ein Gewächshaus bietet im Garten einen deutlichen Mehrwert und erfreut nicht nur für Nutzgarten Liebhaber:innen sondern auch einfach als zusätzliches Gartenzimmer nicht zu unterschätzen.

 

Beim Gärtnern im Gewächshaus sollten natürlich einige Dinge beachtet werden, um die größte Ausbeute im Nutzgarten zu erlangen und vor allem auch die Freude langfristig zu behalten.

1. Saisonverlängerung

Durch ein Gewächshaus kann man die Zeit der Aussaat und der Ernte verändern. So wachsen bereits die robusten Gemüse- Frühsorten ab 5Grad Celsius Bodentemperatur. Dazu zählen Eisbergsalat, Spinat, Mangold, Rettich, Erbsen, Radieschen und Kresse. Auch einjährige Sommerblumen (Kaltkeimer) wie Duftwicken, Jungfer im grünen, Kornblumen, Löwenmäulchen oder Akeleien können in dem Zuge gesät werden.

Wichtig ist darauf zu achten, dass bei massiven und langanhaltenden Spätfrösten ein Gewächshausschutz angebracht werden sollte, um die Jungpflanzen zu schützen.

 

2. Platz schaffen für maximale Fülle - Etagenanbau

Ein Gewächshaus bietet nicht nur am Boden Fläche zum Bepflanzen, sondern hier kann in Etagen an den Seiten gearbeitet werden. Es gibt die Möglichkeit auf Juliana-eigene Systeme zurückzugreifen was das Ganze sehr einfach macht, oder sich selbst Regale zu bauen, die aber auf jeden Fall befestigt werden müssen. Wichtig ist auch, dass die Böden der Regale offen sind, damit das Gießwasser abfließen kann. Ich beginne immer mit dem obersten Regalboden, dann fließt das Wasser, auf die darunter liegenden, und ich kann damit noch Wasser sparen. Juliana bietet Pflanzkisten an, die man gut als Auffangbehälter nutzen kann, wenn man die Pflanzen zum Beispiel kurz im Wasser zum Vollsaugen stehen lassen möchte. In der Regel freut sich Gemüse jedoch über keine Staunässe. Weiterhin können Ampeln und andere Hängesysteme zum Einsatz kommen.

 

3. Exoten im Nutzgarten

Chili, Paprika und Aubergine mögen es weniger im Freiland zu stehen. Diese haben wie auch Melonen oder Tomaten bei mir einen festen Platz im Gewächshaus gefunden. Auch Dahlien ziehe ich wunderbar im Gewächshaus vor. Hier sind sie nämlich auch vor Schnecken gut geschützt.

Ich sortiere dabei gerne die Sorten und habe die Blumen auf der einen, das Gemüse auf der anderen Seite des Gewächshauses stehen.

4. Abdunkeln und lüften

Im Sommer ist es wichtig, das Gewächshaus an heißen Tagen gut zu lüften und dann gegebenenfalls auch mit Rollos oder Abdunkelungsvlies die Pflanzen vor Überhitzung zu schützen. Gemüse und auch Blumen stellen nämlich das Wachstum ein, wenn es zu heiß ist.

Ich stelle mir im Alltag dafür immer einen Wecker, damit ich mein Gewächshaus nicht vergesse.

 

5. Wasseranschluss

Das ist so essentiell, dass ich es gerne immer wieder erwähne. Gemüse wächst nur, wenn es auch ausreichend Wasser bekommt. Ich lege gerne einen Wasseranschluss in oder direkt neben das Gewächshaus, um lange Wege zu vermeiden. Wer noch effizienter arbeiten will, der legt sich gleich eine automatische Bewässerung ins Gewächshaus. Aber auch da ist es wichtig, täglich zu kontrollieren, damit Ausfälle gleich erkannt und behandelt werden können.

 

6. Kinder im Gewächshaus

Für Kinder ist das Gewächshaus ein Paradies. Bereits im Frühjahr entsteht dort eine kleine warme Oase, selbst wenn draußen noch Schnee liegt. Außerdem duftet es nach Urlaub und Sommer.

Meine Kinder haben im Gewächshaus ihre eigene Ecke bekommen, in der sie fleißig Tomaten vorziehen. Ich finde Cocktailtomaten für Kinder wunderbar, sie sind einfach zu ziehen und bringen immer gute Erträge. Meistens wandern sie direkt von der Pflanze in den Mund.

Auch bei der Aussaat können Kinder gut helfen. Radieschen, Rettich und Salat sind auch gute Einsteiger Sorten.

7. Bei Früh- oder Spätfrösten

Das Gewächshaus sollte unter ständiger Aufsicht stehen damit die liebevoll gezogenen Pflanzen nicht kaputt gehen. Ich habe einiges an Lehrgeld bezahlt, weil ich nicht auf die Temperaturen geachtet habe. Wenn es kurz unter 0 geht für eine Nacht, ist das kein Problem, aber Spätfröste von minus 6 und das über mehrere Tage, können die Jungpflanzen töten.

Es gibt für dieses Problem eine großartige Lösung. Sie können Schmelzfeuer verwenden, die bis zu 12 Stunden brennt oder einen eigenen Frostwächter bauen. Dazu setzt man einfach eine Kerze unter einen umgestülpten Tontopf und deckt das Loch oben mit einer Tonscherbe etwas ab, um einen gezielten Abzug zu ermöglichen.

Etwas aufwendiger ist die Isolierung des Gewächshauses mit Vlies und Dämmfolie.

 

8. Gute Planung für optimale Nutzung

Bei guter Planung können Sie das Gewächshaus das ganze Jahr über mit reicher Ernte bewirtschaften.

Ich persönlich nutze es nur für die Anzucht von Jungpflanzen und als Tomatenhaus. Ich habe außerdem mehrere Stühle im Gewächshaus stehen und liebe es, einfach an Frühlingstagen dort zu sitzen und die Wärme zu genießen.

Wer im Gewächshaus richtige Beete anlegt, der sollte darauf achten, bereits im Frühjahr Sorten zu verwenden, die relativ schnell geerntet werden können (zum Beispiel Kresse und Salat).

Danach folgen Kulturen, die länger brauchen und Wärme lieben. Dazu gehören Tomaten, Melone, Paprika und Aubergine. Unter optimalen Bedingungen liefern diese Sorten fast doppelt so viel Ertrag als würden sie im Freiland stehen. Es gibt viele gute Pflanzpläne im Internet, wichtig ist nur auf eine ausreichende Wasserversorgung und regelmäßiges Düngen zu achten.

 

9. Biologischer Pflanzenschutz

Ich habe selten Schädlinge im Gewächshaus, ab und zu findet mal eine Schnecke den Weg ins Schlaraffenland. Es kann bei zu hoher Luftfeuchtigkeit durch Hitze und ungenügende Belüftung natürlich auch zu Befall von Blattläusen oder Milben kommen. Es gibt dafür ökologische Lösungen und Sie können im Spezialhandel zum Beispiel Marienkäfer oder Larven der Florfliege kaufen, um den Befall mit Nützlingen zu bekämpfen.

 

10. Überwintern

Wenn Sie Pflanzen wie Geranien, Oleander oder Olivenbäume in Ihrem Gewächshaus überwintern möchten, müssen Sie auf eine gute Isolierung achten, denn die exotischen Mittelmeerpflanzen können zwar kühle Temperaturen überstehen, aber keine langanhaltenden Frostperioden.

Damit kann man sich einiges an Geld sparen, weil die Pflanzen dann nicht in den Gärtnereien eingewintert werden müssen. Allerdings haben Sie dafür dann die Verantwortung und sollten wirklich jeden Tag nach ihnen schauen.

Om Alexandra Lehne

Gartendesignerin aus Deutschland

Alexandra hat Landschaftsarchitektur in Großbritannien studiert und liebt sinnliche, elegante Gärten, die das ganze Jahr über toll aussehen und interessant sind. Auf ihrem Instagram Profil findet man Tipps und Tricks rund um das Thema Garten und Gartendesign. Sie ist unter anderem bekannt aus verschiedenen Gartenshows auf Sat1 und ZDF, schreibt Ratgeber über Gartendesign und lebt mit ihrer Familie am Starnberger See.

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