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Spirekassen

29 Nov 2023 10:35

Winteranbau und Frost

 

Dieser Artikel ist für diejenigen, die Fachwissen lieben, wenn es in einer verständlichen Sprache verfasst ist. Lesen und lernen Sie mehr über den Aufbau von Pflanzenzellen, und wie sich die Pflanzen für den Winteranbau und Pflanzen für den Sommeranbau unterscheiden.

Wenn Sie bereits im Herbst mit dem Winteranbau im Gewächshaus angefangen haben, sind die Töpfe schnell voller Pflanzen - eine wunderschöne, grüne Gewächshausoase, auch im Winter.

Im November kann es häufig den ersten Frost geben. Wir, bei Spirekassen, wissen von unseren Kunden und Kundinnen, dass sich viele Sorgen über den ersten Frost machen.

Anfang Oktober haben Sie sicher einige schöne Pflanzen, z.B. verschiedene Kohlsorten, Spinat, Salaten, widerstandsfähige Kräuter und Mangold in Ihrem Gewächshaus.

Die Frage ist deswegen: „Sterben meine Pflanzen im Winter im Gewächshaus, wenn der Frost kommt?“.

Die Antwort ist: „Nein“.

Die Pflanzen, die wir für den Winteranbau verwenden, vertragen Frost, weil sie einige clevere Abwehrmechanismen haben.

 

Der Aufbau der Pflanzenzelle

Die Pflanzenzellen liegen in einem steifen Kasten aus Cellulose. Cellulose kennen wir auch von Papier und Holz. Im Gegensatz zu den Zellen eines Menschen enthalten die Pflanzenzellen Chloroplasten. In den Chloroplasten findet sich der Farbstoff Chlorophyll, der bei der Photosynthese eine wichtige Rolle spielt und beispielsweise Licht absorbiert. Die verschiedenen Zelltypen haben verschiedene Funktionen in der Pflanze.

 

Nützliche Begriffe

In den Pflanzenzellen befindet sich eine große wassergefüllte Blase, eine Vakuole, die den sogenannten Turgor erzeugt.  Der Turgordruck sorgt dafür, dass unsere Pflanzen aufrecht stehen und schön aussehen. Wenn der Turgor in der Pflanzenzelle sinkt, fängt die Pflanze an zu hängen. Das zeigt an, dass die Pflanze Wasser braucht, um den Turgor in den Pflanzenzellen wiederherzustellen. Das ist in mehr als einer Hinsicht clever. Pflanzen, die zusammenfallen, wenn sie Wasser brauchen, reduzieren schnell ihre Blattoberfläche. Wenn die Blattoberfläche kleiner ist, wird auch die Verdampfung von Wasser über die Blätter reduziert, sodass der Wasserbedarf der Pflanze sinkt. Auf diese Weise kann die Pflanze durch stressige Dürreperioden kommen.

 

Das gilt auch für den Pflanzenanbau im Winter

Wir erleben etwas Ähnliches, wenn die Pflanzen im Winter Frost abbekommen. Vielleicht haben Sie schon einmal erlebt, dass die Pflanzen bei Temperaturen unter 0°C einfach zusammenfallen. Hier gibt es eine Störung im Turgor der Pflanzenzelle, um sicherzustellen, dass die Zellen nicht einfrieren.

Viele Pflanzen, die wir im Gewächshaus anbauen, sind krautige Pflanzen. Sie bestehen aus etwa 90% Wasser. Wenn die Sommerpflanzen im Gewächshaus Frost abbekommen, werden die Pflanzenzellen zerstört, weil das Wasser in den Zellen zu Eiskristallen wird. Eiskristalle erweitern sich und die wassergefüllten Vakuolen explodieren und die Zellen sterben.

Im Winterhalbjahr ist es weiterhin möglich Pflanzen im Gewächshaus anzubauen. Allerdings müssen im Winter andere Sorten als im Sommer verwendet werden. Im Winter eignet sich Gemüse wie z.B. Kohl, Wintersalate, Blattzichorie, Mangolde und einige Kräuter.

Um auch im Winter Erfolg mit dem Pflanzenanbau zu haben, ist es wichtig die Pflanzen langsam an die Kälte zu gewöhnen. Das bedeutet beispielsweise, das Kohl im November nicht einfach auf der Fensterbank vorgekeimt und dann im Gewächshaus platziert werden kann. Diesen Übergang überlebt die Pflanze in der Regel nicht.

 

Die magische Welt der Pflanzenzelle

Winteranbau verträgt Frost und hat mehrere Abwehrmechanismen, um Frostschäden zu vermeiden. Vor allem benimmt sich das Wasser in den kleinen Pflanzenzellen anders, als wir es kennen. Pflanzenzellen können sich so einrichten, dass das Wasser in den Zellen nicht friert, sondern zu Eiskristallen wird. Alle grünen Pflanzen produzieren Zucker mit Photosynthese. Zucker hat denselben Effekt wie Salz auf einer eisigen Straße; es verwandelt das Eis in Wasser, auch wenn die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen. Wenn die Pflanzenzelle zusätzlichen Zucker produzieren, dient dieser also als eine Art Frostschutzmittel. Jetzt kann das Wasser bis zu -20°C abkühlen und trotzdem flüssig bleiben. Das schützt die Pflanzenzellen gegen Frostschäden.

Die Pflanze kann sich auch schützen, indem sie das Wasser aus den Zellen zieht, damit es zwischen den Zellen friert und so der Pflanzenzelle keinen Schaden zufügen kann. In längeren Frostperioden kann diese Methode die Pflanze jedoch so sehr stressen, dass die Pflanzenzellen eine Art Dürreschaden davontragen, obwohl es kalt ist.

 

Wertvolle Tipps
  • Das Vorkeimen für den Winteranbau sollte in einem unbeheizten Gewächshaus stattfinden.
  • Fangen Sie früh mit Ihren Winteranbau an, gerne bereits Ende August.
  • Verzweifeln Sie nicht, wenn Ihre Pflanzen bei Frostwetter verwelkt aussehen – das ist nur vorübergehend der Fall auf Grund des
  • Wenn die Temperatur ansteigt, wird auch der Turgor wiederhergestellt.
  • Ernten Sie in den Wintermonaten nur bei Plusgraden.

 

Vielen Dank an Bent Løschenkohl (Diplomgärtner)

Om Spirekassen

Christine Wiemann ist gelernte Gewächshausgärtnerin und Landwirtschaftstechnikerin, und Besitzerin des dänischen Saatguthandels Spirekassen. Christine ist Autorin diverser Bücher über Lebensstil, Gartenleben und Pflanzenanbau. Heute bloggt sie und teilt so ihr Wissen und ihre Passion für Gewächshäuser. Christina ist Gewächshausexpertin und Botschafterin für Juliana Gewächshäuser.

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