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15 Mrz 2024 09:33

Glas oder Polycarbonat?

Mein erstes Gewächshaus bekam ich vor über 25 Jahren. Seitdem habe ich 5 unterschiedliche Gewächshäuser gehabt, die alle ihre Vor- und Nachteile hatten. Besonders beim ersten Gewächshaus gibt es viele Aspekte abzuwägen.

Mit der Zeit sind Gewächshäuser immer größer geworden, und es gibt allmählich viele verschiedene Gewächshaustypen. Auch die Nutzung eines Gewächshauses hat sich im Laufe der Zeit verändert. Als die ersten Gewächshäuser in den 1970’er auf den dänischen Markt kamen, waren sie für Anbau gemacht. Heute, 50 Jahre später, sind Gewächshäuser auch so eingerichtet, dass die ganze Familie hier Zeit verbringen kann.

 

Sollte ich Glas oder Polycarbonat wählen?

Beide Verglasungen haben ihre Vor- und Nachteile, doch am Ende hängt die Wahl davon ab, wie Sie Ihr Gewächshaus jetzt und in der Zukunft nutzen möchten.

Einige Fragen, die Sie sich stellen sollten:
  • Gibt es spielende Kinder in der Nähe des Gewächshauses?
  • Soll das Gewächshaus für andere Zwecke als den Anbau von Pflanzen verwendet werden?
  • Möchten Sie das ganze Jahr über Pflanzen anbauen?
  • Was möchten Sie anbauen?
  • Möchten Sie Ihr Gewächshaus mit einer externen Wärmequelle beheizen?
  • Das Subjektive: Was gefällt Ihnen am besten?

 

Gewächshaus mit Glas

Die meisten Gewächshäuser sind aus Glas und waren es schon immer. Der Grund dafür ist, dass sich Glas am besten für Gewächshäuser eignet – vor allem wegen der guten Lichttransmission und der Festigkeit. Wenn das Sonnenlicht auf das Gewächshausglas trifft, wird ein Teil des Lichts nach außen reflektiert. Ungefähr 15-20% des Sonnenlichts wird im Glas reflektiert oder absorbiert. Der Rest passiert durch das Glas in das Gewächshaus. Dieses Sonnenlicht können die Pflanzen für die Photosynthese verwenden.

Ursprünglich wurde 3 mm oder 4 mm Blankglas für Gewächshäuser genutzt. Der Vorteil von Blankglas ist, dass Sie es leicht kaufen und selbst zuschneiden können. Der Nachteil ist, dass es in große, scharfe Scherben zerbricht, wenn es kaputt geht und daran kann man sich leicht verletzen.

Sicherheitsglas ist die Zukunft

Moderne Gewächshäuser haben 3 mm Sicherheitsglas, das für seine Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Stößen und Druck bekannt ist. Im Vergleich zu normalem Glas, kann Sicherheitsglas Wind, Hagel oder andere externe Einwirkungen standhalten. Sicherheitsglas hat eine lange Lebenszeit, erfordert minimale Wartung und bewahrt mit der Zeit Aussehen und Funktion. Wenn Sicherheitsglas verbricht, zerbröselt es in kleine, ungefährliche Kügelchen, wie wir es von Autoscheiben kennen. Sicherheitsglas können Sie nicht selbst zuschneiden, was die Ersetzung ein bisschen erschwert, allerdings haben viele Gewächshaushersteller passendes Sicherheitsglas als Ersatz im Sortiment.

Lichteinfall im Glasgewächshaus

Glas ermöglicht einen maximalen Lichteinfall, was die optimalen Wachstumsbedingungen für die Pflanzen im Gewächshaus schafft. Sicherheitsglas ist auch widerstandsfähig gegen UV-Strahlen, was die Pflanzen im Gewächshaus gegen schädliche Sonneneinstrahlungen schützt. Die Lichtstärke kann sehr hoch sein, was für viele Pflanzenkulturen wie Gurken, Auberginen, Chilis und Paprika gut ist. Jedoch ist auch Schatten immer erforderlich, weil besonders Tomaten keine direkte Wärme und Sonne vertragen.

Das Raumklima im Glasgewächshaus

Glas hat nicht dieselbe Isolierfähigkeit wie z.B. Polycarbonatplatten. In einem Gewächshaus mit Polycarbonat ist die Temperatur das ganze Jahr über stabiler. In einem Glasgewächshaus kann es größere Temperaturunterschiede geben. Binnen kürzester Zeit können die Temperaturen beispielsweise von 5 auf 20 °C ansteigen, wenn die Sonne scheint. In sehr klaren Winternächten kann die Temperatur in einem Glasgewächshaus mehrere Grad unter der Außentemperatur liegen.

Glasgewächshäuser haben jedoch das beste Raumklima. Auf Grund der großen Temperaturunterschiede zwischen der Außen- und Innenseite des Glases, entsteht Tau und Kondenswasser an der Innenseite des Glases. Dadurch wird das übrige Klima im Gewächshaus trockener. Das Glas, die Gewächshauskonstruktion und das Fundament beeinflussen einander. Das sorgt für ein Raumklima mit gutem Luftaustausch, was z.B. Pilzkrankheiten vorbeugt.

Persönliche Vorlieben bei der Gewächshauswahl

Das Glasgewächshaus ist für die meisten Käufer und Käuferinnen die erste Wahl. Das gilt vor allem bei den teureren Gewächshausmodellen. Wenn Sie das Gewächshaus nicht nur für Anbau verwenden möchten, sondern auch für Entspannung, sollten Sie Glas wählen. Wenn sich Kinder oder Tiere im Garten aufhalten, ist es ratsam, sich für Sicherheitsglas zu entscheiden.

 

Gewächshaus mit Polycarbonat

Polycarbonat hat den Vorteil, dass es im Vergleich zu Glas leichter und haltbarer ist. Das bedeutet, dass es beim Aufstellen des Gewächshauses auch leichter zu handhaben ist, und die Bruchgefahr deswegen minimiert wird.

Polycarbonat ist ein starker, stoßfester Kunststoff, der jedoch schnell Kratzer bekommt. Die Polycarbonatplatten sind je nach die Gewächshausmarke unterschiedlich. Polycarbonatplatten können eine Dicke von 4 mm haben und massiv sein, oder sie können als Hohlkammerplatten mit zwei Schichten mit einem Luftzwischenraum gestaltet sein und eine Dicke von 10 mm haben.   

Es ist ein Vorteil ein Gewächshaus aus Polycarbonat zu wählen, wenn sich Kinder oder Tiere im Garten aufhalten. Ein Ball oder ähnliches kann eine Polycarbonatplatte nicht zerbrechen, Kinder und Tiere können sich nicht an dem zerbrochenen Glas verletzen, und Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass die Glasscheiben bei einem Sturm kaputt gehen.

Das Polycarbonat, das für Gewächshäuser verwendet wird, ist so verarbeitet, dass es UV-Strahlen widersteht. Der Kunststoff ist in der Regel nur auf einer Seite mit UV-Strahlung behandelt. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass die Polycarbonatplatten bei der Montierung korrekt montiert werden. Der UV-Filter schützt die Pflanzen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung. Leider neigen die Polycarbonatplatten dazu, mit der Zeit eine gelbliche Farbe anzunehmen, normalerweise nach 6-7 Jahren.  

In diesem Video hat Juliana mit einem Golfball, Hammer und Fußball getestet, wie widerstandsfähig die verschiedenen Verglasungen sind.

 

 

Lichteinfall im Gewächshaus mit Polycarbonat

Der Lichteinfall durch eine massive Polycarbonatplatte ist geringer als durch Glas. Nur 30-40% des Sonnenlichts kommt hindurch, besonders wenn die Platten farbig getönt sind oder eine gesprenkelte Struktur haben.

Klare Polycarbonatkanalplatten haben eine bessere Lichtdurchlässigkeit von etwa 80%, allerdings wird sie nie so gut sein wie bei Glas.

Im Gegensatz zu Glas gibt es bei Kunststoffplatten keine Spiegelung, was bedeutet, dass der Lichteinfall ziemlich konstant ist und weniger von der Dachneigung des Gewächshauses abhängt. Polycarbonatplatten verteilen das Sonnenlicht gleichmäßig im Gewächshaus und schaffen so optimale Wachstumsbedingungen für die Pflanzen.

Im Laufe des Frühlings und Sommers kommt weniger Sonnenlicht durch die Polycarbonatplatten, aber das ist kein Problem. Der Frühling kann launenhaft sein und besonders die kalten Nächte können in einem Gewächshaus mit Polycarbonat weniger kalt sein. Sie brauchen keine Schattenrollos aufhängen, und deswegen ist es besonders gut für den Anbau von Tomaten, die kein direktes Sonnenlicht mögen. Gewächshäuser mit Polycarbonat sind auch gut für andere schattenliebende Pflanzen, wie Orchideen und tropische Zimmerpflanzen, die aus dem Regenwald stammen, geeignet.

Im Winter bekommen die Pflanzen weniger Sonnenlicht. Das Gewächshaus ist generell ein bisschen wärmer als ein Glasgewächshaus, aber auch dunkler.

Das Raumklima im Gewächshaus mit Polycarbonat.

Gewächshäuser mit Polycarbonat sind generell dichter als Glasgewächshäuser. Deswegen ist es wichtig im Gewächshaus gründlich durchzulüften.

Die gute Isolierfähigkeit bedeutet auch, dass weniger Wasserdampf auf den Polycarbonatplatten kondensiert, und damit ist die Luftfeuchtigkeit in einem Gewächshaus aus Polycarbonat höher als in einem Glasgewächshaus.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit kann Nährboden für viele Pilzkrankheiten schaffen. Das ist besonders eine Herausforderung im Winter und für den Anbau von Wintergemüse.

Ein Gewächshaus aus Polycarbonat hat generell ein mehr stabiles Raumklima. Die Temperatur sinkt nicht so schnell. Es gibt auch keine massiven Temperaturstürze vor Sonnenaufgang, wie in einem Glasgewächshaus.

Persönliche Vorlieben bei der Gewächshauswahl

Gewächshäuser mit Polycarbonat sollten für den Pflanzenanbau verwendet werden. Wählen Sie daher kein Polycarbonat, wenn das Gewächshaus als Aufenthaltsraum im Garten genutzt werden soll. Das Polycarbonat, das für Gewächshäuser verwendet wird, ist nicht durchsichtig, und es ist nicht angenehm sich längere Zeit in einem Gewächshaus mit Polycarbonat aufzuhalten.

Es ist auch sehr unterschiedlich, ob man ein Gewächshaus mit Polycarbonat ästhetisch findet oder nicht. Mittlerweile ist der Verkauf von Gewächshäusern aus Polycarbonat rückläufig, vor allem bei den teureren Gewächshausmodellen.

 

Fun Facts über Aufwärmung

Möchten Sie Ihr Gewächshaus im Winterhalbjahr mit einer externen Wärmequelle beheizen, ist es eine gute Idee ein Gewächshaus mit Polycarbonat zu wählen. Denn wählen Sie ein Gewächshaus mit Polycarbonat und kein Glasgewächshaus, können Sie Ihre Heizkosten markant senken.

Rechenbeispiel

Ein 10 m2 Gewächshaus hat eine Oberfläche von etwa 36 m2. Die Temperaturen im Gewächshaus sollen ungefähr 10°C höher sein als Draußen. Der durchschnittliche Strompreis (2024) liegt bei ungefähr 0,27 €.

  • Glasgewächshaus: Verbrauch: 2,160 kW pro Stunde.
  • Gewächshaus aus Polycarbonat: Verbrauch: 1,440 kW pro Stunde.
Preis für die Beheizung
  • Glasgewächshaus: 13,95 € pro Tag.
  • Gewächshaus mit Polycarbonat: 9,25 € pro Tag.

 

Vielen Dank an:

  • Daniel Dam Barrett, Induflex
  • Klaus Bisgaard Lillesø, Qualitätsmanager, Juliana Gewächshäuser
  • Bent Løschenkohl, Diplomgärtner
  • Peter Birk Jespersen, Zimmerer

Om Spirekassen

Christine Wiemann ist gelernte Gewächshausgärtnerin und Landwirtschaftstechnikerin, und Besitzerin des dänischen Saatguthandels Spirekassen. Christine ist Autorin diverser Bücher über Lebensstil, Gartenleben und Pflanzenanbau. Heute bloggt sie und teilt so ihr Wissen und ihre Passion für Gewächshäuser. Christina ist Gewächshausexpertin und Botschafterin für Juliana Gewächshäuser.

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