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Lars Lund

08 Sep 2020 15:33

Baumtomaten im Gewächshaus

 

Baumtomaten sind spannend und exotisch, obwohl sie überhaupt nicht nach Tomaten schmecken. Sie wachsen wunderbar im Gewächshaus und können in einer Vielzahl von Gerichten verwendet werden.

 

Von Lars Lund, l@rslund.dk

 

Die Favoriten vieler Gewächshausbesitzer sind ohne Zweifel Tomaten. Es gibt nichts leckereres als sonnengereifte Tomaten aus dem eigenen Garten! Doch auch die Baumtomate schmeckt hervorragend! Dies ist eine der Pflanzen, die ich dieses Jahr in meinem Gewächshaus ausprobiere. Der lateinische Name der Baumtomate ist Tamarillo Cyphomandra crassicaulis (syn. C. betacea), oder auch einfach Tamarillo, nicht zu verwechseln mit Tomatillo.

Baumtomaten sind Sträucher, die unter normalen Umständen gut und gerne einen Meter oder größer wachsen können. Die Sträucher tragen ovale, rote Früchte, die sowohl für süße als auch salzigen Gerichte verwendet werden können. Form und Größe sind mit einem Hühnerei vergleichbar. Die Baumtomaten stammen aus den Bergregionen Perus und haben sich entlang der Anden verbreitet. Außerdem gibt es sie heutzutage in Sri Lanka. Die Baumtomaten benötigen viel Wärme und sollten daher unbedingt im Gewächshaus stehen, um sich optimal entwickeln zu können. Dort können sie auch überwintern, wenn es im Gewächshaus keinen Frost gibt. Es handelt sich also um eine Pflanze, an der man sich mehrere Jahre erfreuen kann.

DIE FRÜCHTE

Die Früchte der Baumtomate können 8-10 cm lang werden und bis zu 75 Gramm wiegen. Reife Früchte haben rotbraun Schale - manchmal mit ein paar hellen Streifen - und haben eine glatte Oberfläche. Üblicherweise haben die Schale und das Fruchtfleisch unterschiedliche Farben. Das Fruchtfleisch ist meist goldgelb.  

Im Inneren ist die Frucht in zwei Kammern unterteilt, in denen die weichen Samen in einer geleeartigen Masse liegen. Die Schale schmeckt bitter und wird selten gegessen, aber das saftige Fruchtfleisch hat einen köstlichen süß/sauren und sehr frischen Geschmack. Das Fruchtfleisch der Baumtomate eignet sich hervorragend, um beispielsweise Chutneys oder scharfe Saucen zuzubereiten. Darüber hinaus können Baumtomaten gegrillt, in Scheiben auf hausgemachte Pizza gelegt oder in frischen Salaten verwendet werden.

 

EXOTISCHES ESSEN

Baumtomaten können wunderbar für herzhafte Gerichte verwendet werden, für die man sonst gewöhnliche Tomaten verwenden würde. So werden die Gerichte ein wenig süßer und exotischer. Es lohnt sich die Baumtomaten zu probieren, besonders wenn man die südamerikanische Küche mag.  Die Frucht passt gut zu Gerichten mit mexikanischer, süd- und mittelamerikanischer Inspiration, doch man sollte dran denken die bittere Schale nicht mitzuverarbeiten.

Auch süß schmecken die Baumtomaten sehr lecker. Man kann sie beispielsweise einfach halbieren, mit Zucker bestreuen und mit einem Teelöffel aus der Schale essen. Und auch in für Gelees und Marmeladen eigenen sie sich wunderbar. Bei Kuchen und Torten bieten sie genau das richtige Gleichgewicht zwischen süß und sauer.

FRANZÖSISCHE TARTE

Ein weiteres leckeres Rezept, ist ein klassischer französischer Apfelkuchen mit karamellisierten Apfelstücken, bei dem man die Äpfel durch karamellisierte Baumtomaten ersetzt, serviert mit einem Klecks Crème Fraîche. Die Baumtomaten können auch einfach mit Vanille eingekocht oder in Blätterteig eingebacken werden und dann mit einer Kugel Vanilleeis dazu. Und auch im Obstsalat machen sich die Baumtomaten wunderbar, beispielsweise in Begleitung von Kiwi und Mango.

 

Baumtomaten vermehren sich recht einfach, aber es kann große Unterschiede geben, wie lange die Samen brauchen, um zu keimen. Meistens dauert es drei bis fünf Wochen, bis die Samen keimen. Wenn man die Keimung beschleunigen möchte, kann man die Samen 24 Stunden lang in den Gefrierschrank legen und danach aussäen.

 

In der Regel sollten Baumtomaten spätestens Anfang März gesät werden, da die Pflanze lange braucht, um sich vollständig zu entwickeln. Wenn man jedoch im Herbst und Winter, die Möglichkeit hat, die Baumtomaten so unterzustellen, dass sie frostfrei weiterwachsen können, reicht es auch sie Ende März aussäen.

Ein kleiner Tipp: Baumtomaten sind auch im Supermarkt erhältlich – so kann man probieren, ob einem die Frucht überhaupt schmeckt.

 

TIPPS ZUR AUSSAAT

  • Es dauert circa drei bis fünf Wochen, bis die Samen keimen.
  • Man kann die Keimung fördern, indem man die Samen einen Tag lang in den Gefrierschrank legt und sie danach aussät.
  • Nach dem Aussäen sollte die Pflanzschale einen Platz bekommen, wo die Temperatur zwischen 22-26 Grad liegt und die Wärme vorzugsweise von Unten kommt.
  • Der Boden sollte ständig leicht feucht gehalten werden.
  • Sobald die Samen gekeimt sind, wächst die Pflanze relativ schnell und sollte regelmäßig in größere Töpfe umgepflanzt werden.
  • Im Sommer sollte die Pflanze im Gewächshaus stehen, da sie am besten bei Temperaturen über 18-20 Grad gedeiht.
  • Baumtomaten gedeihen in einem nährstoffreichen Boden, und sollten während der Wachstumsperiode kontinuierlich gedüngt werden.
  • Erst im zweiten oder sogar dritten Jahr kann man mit Blumen und damit auch mit Früchten rechnen.

NACH DER SOMMERPERIODE BRAUCHT DIE PFLANZE EINE KÜHLE RUHEZEIT.

Die Baumtomate sollte im Winter zwar frostfrei, aber dennoch kühl (ca. 5-12 Grad) gelagert werden. Das Düngen und Gießen sollten im Winter eingestellt werden. Es ist die kalte Ruhezeit, die der Pflanze dabei hilft, sich auf die Blüte vorzubereiten, daher sollte die Baumtomate im Winter nicht bei Raumtemperatur stehen, da es sonst keine Blüten oder Fruchtbildung gibt! Im Frühjahr - etwa im März - kann die Pflanze an einen wärmeren Ort umziehen und man kann wieder langsam mit dem Gießen und Düngen beginnen.

 

Die Blüten der Baumtomate sind selbstbestäubend, wenn die Pflanze jedoch keine Früchte produziert, kann man sie auf ihrem Weg mit einem Pinsel unterstützen. Die Blütezeit bei mehrjährigen Baumtomaten ist um den Juni herum. Danach vergehen einige Monate mit der Fruchtbildung und dem Reifungsprozess der Früchte. Die Baumtomaten sind zunächst grün und ändern ihre Farbe im Laufe des Reifungsprozesses zu orange und rot. Die Früchte sollten rot sein, bevor man sie erntet.

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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