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Lars Lund

08 Sep 2020 15:33

Tipps eines Schlossgärtners, für diejenigen die gerne exotische Pflanzen anbauen


Die Zitrusgewächse müssen im Winter gut geschützt werden.

Foto aus dem Buch „Orangerit©“

 

Wir bewegen uns mit großer Geschwindigkeit auf den September zu. Ab September müssen sowohl die Zitrusgewächse als auch alle anderen exotischeren Pflanzen, die draußen stehen, nach drinnen umziehen. In diesem Artikel bekommen Sie ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg.  

 

Von Lars Lund

l@rslund.dk

 

Kirsten Engholm hat viel Erfahrung mit exotischen Pflanzen. Deshalb haben wir sie gefragt, welche Tipps sie für die Gewächshaus-Club-Mitgliedern hat, die exotische Pflanzen im Garten haben oder überlegen diese anzubauen.

 

Die Antwort von Kirsten lautet: es wichtig ist, dass man den Pflanzen die richtigen Wachstumsbedingungen bieten kann, und hierbei sind besonders die Überwinterungsbedingungen entscheidend. Es geht darum, wie viel Sonne im Garten ist, wie viel Schutz es gibt und welche Pflege die unterschiedlichen Pflanzen benötigen. Dies lässt sich am besten feststellen, indem man sich gründlich mit den Bedürfnissen der einzelnen Sorten vertraut macht. Zum Beispiel lohnt es sich nicht Zitronen anzubauen, wenn man sie im Winter nicht ideal lagern kann und so jedes Jahr eine neue Pflanze kaufen muss. Wo und wie die jeweiligen Pflanzen überwintern sollen, ist also eines der allerersten Aspekte, mit denen man sich beschäftigen sollte.

Es ist beispielsweise viel Wert, wenn man einen Raum hat, in dem auch im Winter durchgängig eine Temperatur von 5 Grad herrscht. Die Pflanzen sollten jedoch nicht in die trockene Wärme des Wohnzimmers gelangen. Dann ist es besser sie in einem frostfreien und hellen Keller unterzustellen.

 

Zitruspflanzen vertragen es, bis Ende September draußen zu stehen. Dann sollten sie jedoch in die Orangerie umziehen.

Foto aus dem Buch Orangeriet ©

 

Vorsicht mit dem Wurzelwerk

Das Wurzelwerk von exotischen Pflanzen ist äußerst empfindlich. Daher ist es sehr wichtig, dass es gut vor Frost geschützt wird, beispielsweise mit Isoliermatten, Stroh oder Sackleinen.

 

Licht- und Temperaturbedingungen müssen ebenfalls harmonieren. Je kühler es ist, desto weniger Licht können die Pflanzen vertragen, und je wärmer es ist, desto mehr Licht benötigen sie. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass die Pflanzen schnell von der starken Sonne verbrannt werden können, wenn sie im Frühling nach draußen kommen. Daher sollten sie am Anfang leicht im Schatten stehen, sagt Kirsten. Diesen kann man mit Vliesstoff schaffen, wenn im Garten kein natürlicher Schatten vorhanden ist.

Wenn sich die Pflanzen an die neuen Bedingungen gewöhnt haben, können sie in voller Sonne oder leichtem Schatten stehen und sollten gleichzeitig einen geschützten Platz bekommen.

 

Luftfeuchtigkeit

Einige Pflanzen gehen im Winter auf Grund von Pilzbefall ein. Daher muss man genau auf die Luftfeuchtigkeit achten. Übermäßige Luftfeuchtigkeit kann gesenkt werden, indem man die Temperatur erhöht oder indem man durchlüftet, abhängig von der Außentemperatur. Wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, hilft das Durchlüften jedoch nicht viel. Zitrusgewächse und viele subtropische Pflanzen gedeihen am besten bei 50 – 70% Luftfeuchtigkeit. Wenn es sehr trocken ist, müssen die Pflanzen besprüht werden.

 

„Buddhas Hand “ (citrus medica var.) ist eine der vielen Pflanzen, die man anbauen kann, wenn man die richtigen Bedingungen hat.

Foto aus dem Buch Orangeriet ©

 

Wie lange können exotischen Pflanzen draußen stehen?

Das kommt auf die jeweilige Sorte an, sagt Kirsten Engholm. Die widerstandsfähigsten Orangerie-Pflanzen wie Lorbeer und Schneeball (Viburnum) können von April bis November draußen stehen, während Zitrusgewächse in der Regel von Mitte Mai bis Ende September draußen stehen können.

Tatsächlich sind die Pflanzen am empfindlichsten gegen Kälte, wenn sie im Frühjahr nach draußen kommen. Im Herbst passen sie sich nämlich allmählich den kälteren Temperaturn an, aber im Frühjahr ist es wichtig, die Pflanzen langsam an die neuen Bedingungen zu gewöhnen.

 

Wie oft sollten exotischen Pflanzen umgetopft werden?

Exotische Pflanzen sollten alle 3-5 Jahre umgetopft werden. Wenn man zu lange wartet, kann das Wurzelwerk so stark werden, dass es schwierig wird, die Pflanze aus dem Topf zu holen. Die beste Zeit zum Umtopfen sind die späten Wintermonate, da die Pflanzen in dieser Zeit ruhen. Beim Umtopfen schneidet Kirsten die Wurzeln der Pflanzen um 1/3 bis 1/4 zurück. Es kommt jedoch darauf an, um welche Pflanze es sich handelt. Das Wurzelwerk von Zitruspflanzen entwickelt sich sehr langsam, daher sollten die Wurzeln hier nicht beschnitten werden. Feigen und Schmucklilien (Agapanthus) entwickeln hingegen ein großes Wurzelwerk.

Man könnte meinen: je größer der neue Topf, desto besser ist das Umpflanzen für die Pflanze. Doch das ist nicht unbedingt der Fall, sagt Kirsten. Der Topf sollte nur bis zu 20% größer sein als der vorherige. Man sollte daran denken, den Wurzelkragen nicht mit Erde zu bedecken, denn das würde die Pflanze eine Zeit lang schwächen. Außerdem sollte man den Topf entwässern und die richtige Pflanzenerde für die jeweilige Pflanze verwenden.  

 

Wenn man nicht die Möglichkeit hat, das eigene Gewächshaus zu heizen, können die Pflanzen auch in sogenannten Pflanzenhotels überwintern.

Foto: Grøn Kommunikation ©

 

Sollten Zitrusgewächse beschnitten werden?

Die meisten Orangerie-Pflanzen können im Winter, aber auch zu anderen Zeitpunkten beschnitten werden. Im Allgemeinen ist das Prinzip das gleiche wie bei Obstbäumen: man entfernt die toten Äste und Äste, die sich kreuzen; außerdem dünnt man die Mitte aus, kürzt langen Äste um 1/3 und entfernt wilden Triebe.

 

Wie viel Wasser sollten die Pflanzen im Winter bekommen?

Im Winter kann man die Pflanzen problemlos gießen. Der Boden sollte vor dem erneuten Gießen jedoch etwas austrocknen. Pflanzen, die bei 5-10 Grad überwintern, sollten in Abständen von 1-2 Wochen bewässert werden. Beim Gießen mit Leitungswasser sollte man besonders auf den pH-Wert des Bodens achten. Einige Pflanzen können Eisen und Mangan nicht aufnehmen, wenn der pH-Wert 6 überschreitet. Das ist oft der Fall, wenn das Leitungswasser viel Kalk enthält. Dann ist es besser mit Regenwasser oder abgekochtem Wasser zu gießen. Im Sommer kann der pH-Wert mit Flüssigdünger reguliert werden.

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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