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Lars Lund

08 Sep 2020 15:33

Das sollte man beachten, wenn man Pflanzen in Plastikbehältern anbaut

In vielen Stadtgärten, Dachgärten und Innenhöfen werden Pflanzen ausschließlich in Plastiksäcken oder -töpfen angebaut. Aber ist das eigentlich gefährlich? Lesen Sie hier, worauf man achten sollte.

Pflanzen werden wieder häufiger in Beeten angebaut, doch das liegt nicht daran, dass die Säcke mit Pflanzenerde aus Plastik bestehen.

Foto: Grøn Kommunikation ©

 

Von Lars Lund

 

Meine Kartoffeln wachsen in diesem Jahr sehr gut und die ersten konnte ich bereits ernten. Die anderen stehen in schwarzen Plastiktöpfen im Gewächshaus. Solche Töpfe werden von vielen verwendet, entweder weil sie nicht viel Platz haben oder weil sie, wie ich, mit dem Kartoffelanbau im Gewächshaus beginnen.

Ich habe oft darüber nachgedacht, ob es eigentlich gesund ist, Obst und Gemüse in Plastiktöpfen anzubauen, und ich bin sicher, dass ich da nicht der Einzige bin. Viele Gartenexperten empfehlen den Anbau in Plastik zu vermeiden. Wenn man jedoch nach konkreten Informationen sucht, ob Plastik im Gemüsegarten gefährlich ist, erhält man lediglich wage Antworten. Plastik ist in vielerlei Hinsicht ins Rampenlicht gerückt - besonders weil viele nicht genug darüber nachdenken, welche Folgen es hat Plastikmüll beispielsweise ins Meer oder auf die Straße zu werfen.

 

Weichen Kunststoff vermeiden

Ein Großteil der Plastikprodukte besteht aus PVC, und es ist allgemein bekannt, dass Kunststoffspielzeug, das PVC enthält, nicht in den Mund genommen werden sollte. Aus diesem Grund ist PVC in Spielzeug verboten. Es gibt sowohl hartes als auch weiches PVC. Hartes PVC wird für Dachrinnen, Rohre und Dachplatten verwendet und stellt daher im Gegensatz zum weichen PVC kein Gesundheitsrisiko dar.

Um das weiche PVC herzustellen werden verschiedene Arten von Weichmachern verwendet - 90 % davon sind Phthalate. Phthalate werden in zwei Gruppen eingeteilt: höhermolekulare und niedermolekulare. Hier sind es die niedermolekularen Phthalate, um die man sich sorgen muss. Dies sind Substanzen, die als DEHP, BBP, DBP und DIBP bezeichnet werden. Diese niedermolekularen Phthalate sind verboten, und dies liegt daran, dass sie als reproduktionsschädlich eingestuft sind. Die Herstellung der toxischen Phthalate wurde bereits reduziert (laut Website der dänischen Umweltschutzbehörde), sodass die Produktion nur noch weniger als 10% ausmacht. 2020 wurde die Verwendung von Phthalaten für beispielsweise Sportgeräte und andere Alltagsgegenstände weiter eingeschränkt. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass sich diese Einschränkung lediglich auf die EU bezieht. Im Rest der Welt, wo ein Großteil des Kunststoffes hergestellt wird, gelten andere Bestimmungen.

Bau-Eimer und Mörtelkübel sind zwar nicht für Lebensmittel zugelassen, aber man kann sie trotzdem zum Anbau von Pflanzen verwenden, solange man Essbares, das in direktem Kontakt mit dem Plastik war, vor dem Verzehr abspült. Wie es mit anderen Plastikgefäßen aussieht, wie z.B. den bunten Eimern auf dem Foto, sollten Sie sicherheitshalber nochmal überprüfen.

Foto: Grøn Kommunikation ©

 

 

Kein Problem mit Pflanzenerde

Bisher wurden keine Untersuchungen durchgeführt, die zeigen, ob und in welchen Mengen Pflanzen Phthalate absorbieren. Küchenutensilien, Geschirr aus Plastik und Plastiktüten, die für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind, müssen mit dem kleinen Glas- bzw. Gabelzeichen versehen sein. So sind beispielsweise nicht alle Schläuche und Rohre dafür zugelassen Trinkwasser zu transportieren. Und auch Säcke mit Pflanzenerde und Mörtelkübel sind nicht dafür gedacht direkten Kontakt mit Pflanzen zu haben, die als Lebensmittel enden. Dies bedeutet nicht, dass die Verwendung gefährlich ist. Je härter der Kunststoff, desto sicherer kann man sein, dass kein Risiko besteht. In Bezug auf Säcke mit Pflanzenerde kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass diese nicht gesundheitsschädlich sind und kein PVC enthalten. Meistens bestehen sie aus Polyethylen, das ist das gleiche Material aus dem auch Frischhaltefolie und viele Brotdosen hergestellt werden.  Es besteht nur dann ein Risiko, wenn man die Säcke der Pflanzenerde beispielsweise in einer Mikrowelle erhitzt wird.

 

 

 

Palettenrahmen bestehen nicht aus druckimprägniertem Holz. Deshalb wird oft eine zusätzliche Schutzschicht aus Plastikfolie verlegt.

Foto: Grøn Kommunikation ©

 

Hochbeete

Wie steht es um druckimprägniertes Holz für Hochbeete mit Küchenkräutern? Druckimprägniertes Holz ist nicht mehr so ​​giftig wie es früher einmal war. Trotzdem kann es die Ernte schädigen, da es mit einer Substanz imprägniert ist, die Pilze fernhalten soll. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob die Toxine lediglich schädlich sind oder ob sie auch von der Pflanze absorbiert werden. Im Rahmen einer Diplomarbeit haben zwei Studenten der Universität Kopenhagen untersucht, wie stark kontaminierter Boden Pflanzen beeinflusst. Dafür wurden Karotten, Kartoffeln und Kohl verglichen, die jeweils in gesundem und kontaminiertem Boden gewachsen sind. Das Ergebnis zeigte, dass das gewaschene Gemüse keinen signifikanten Unterschied in Bezug auf den Schwermetallgehalt aufwies. Auch in Bezug auf Gehalt von Cadium, Chrom, Kupfer, Zink und Nickel zeigte sich kein Unterschied. Dieses Ergebnis bedeutet jedoch nicht, dass man die Pflanzenerde in einem Hochbeet nicht regelmäßig austauschen sollte - besonders wenn man in der Nähe einer viel befahrenen Straße wohnt. Es ist immer eine gute Idee, die Erde ab und zu auszutauschen, um zu vermeiden, dass kontaminierter Boden an Lebensmittel kommt. Dies ist auch einer der Gründe, warum man Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen sollte.

  

Kunststoff ist praktisch. Trotzdem sind die schwarzen Blumentöpfe unbeliebt geworden, weil sie nicht an allen Recyclingplätzen angenommen werden.

Foto: Elho ©

 

Es gibt einen Unterschied zwischen „das ist gefährlich“ und „es stellt ein Risiko dar“

Wenn ein Stoff als Risiko beschrieben wird, wird er nur dann gefährlich, wenn er in großen Mengen verzehrt oder verwendet wird. Denken Sie nur an Speisesalz. Wenn es gefährlich wäre, würden bereits kleine Mengen Schaden anrichten.

 

Jakob Clement, Umweltberater in der Kunststoffindustrie, ermutigt den Verbraucher, lokal hergestellte Kunststoffe zu kaufen, sagt jedoch, dass nichts darauf hindeutet, dass beispielsweise Chemikalien aus Kunststofffolie oder anderem Kunststoff in den Boden eindringen.

 

Laut einer kürzlich von der dänischen Kunststoffindustrie durchgeführten Studie sind drei von vier Dänen hinsichtlich der Chemie in ihren Kunststoffprodukten unsicher. Nach Ansicht derselben Branche beruht diese Unsicherheit auf mangelndem Wissen und Vorurteilen, zumindest bei Produkten, die in der EU hergestellt werden. Bei in der EU hergestellten Produkten aus Plastik herrscht aber ein guter Überblick darüber, was der Kunststoff enthält. Leider gibt es diesen Überblick nicht in Bezug auf Produkte, die aus China und außerhalb der EU stammen, wie sie in vielen Baumärkten verkauft werden. Die Baumärkte sind verpflichtet, den Verbraucher darüber zu informieren, welche Substanzen das Plastik enthält, doch dazu sind bei weitem nicht alle in der Lage, wie eine Studie der dänischen Verbraucherzeitschrift „Tænk“ zeigte. Mehrere Baumärkte gaben falsche Antworten oder bekamen keine der angeforderten Informationen von den Herstellern.

 

Sind Autoreifen gefährlich? Nur wenn sie Bremsstaub von älteren Autos enthalten.

Foto: Grøn Kommunikation

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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