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Lars Lund

20 Mai 2021 11:27

Die Geschichte von Frühbeeten und warum es sich lohnt sie anzulegen

Von Lars Lund

 

l@rslund.dk

 

Lange bevor das Gewächshaus für Hobbygärtner erfunden wurde, wurden Frühbeete erfunden. Ursprünglich handelte es sich bei den Frühbeeten, um Mistbeete, doch das ist heute nicht mehr unbedingt der Fall. Es ist jedoch interessant, dass diese Anbaumethode noch immer verwendet wird, denn Frühbeete sind besonders in Küchengärten und sogar auf kleinen Balkonen oft gesehen.

 

Foto Grøn Kommunikation ©

 

Der gute Mist

Tiermist von Eseln, Pferden und Maultieren wurde bereits im 10. Jahrhundert für Mistbeete verwendet. Hier wurden die Beete jedoch direkt in die Erde gegraben. Dafür wurde ein zirka 0,5 m tiefes und ein paar Meter breites und langes Loch geschaufelt, dass mit Gülle gefüllt wurde. Die weisen Bauern hatten herausgefunden, dass ein guter halber Meter erforderlich war, um einen Kompostierungsprozess in Gang zu setzen, der Wärme erzeugt. Das Beet wurde dann mit 20 cm Erde abgedeckt. Das Samen wurden ausgesät und mit einer dünnen Schicht aus Kohlblättern bedeckt, um sie warm zu halten. Erst später hat man angefangen Glas als Abdeckung zu verwenden.

 

Im 14. Jahrhundert schrieb der Forscher, Pietro dé Crenscenzi, ein Lehrbuch über Landwirtschaft und über die Verwendung der sogenannten Wärmebeete. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt, und in Nordeuropa wurde die Idee mit offenen Armen aufgenommen. Die Franzosen entwickelten die Mistbeete weiter und verwandelten es in ein Hochbeet mit Seiten aus Strohmatten, sodass die Wärme im Inneren blieb. Es waren ebenfalls die Franzosen, die damit anfingen, die Pflanzen mit Glas zu bedecken. Zuerst wurden dafür Glasglocken verwendet, hauptsächlich für Gurken und Melonen, und später Glasscheiben, die die kompletten Beete abdeckten.

 

Das ganze Jahr über

Ein Frühbeet ist Gold wert, ob auf einem Balkon, in einem großen Garten oder sogar im Gewächshaus oder einer Orangerie - von einem Frühbeet kann man nur profitieren!

 

Ein Frühbeet kann das ganze Jahr über bepflanzt werden, denn die Temperaturen in einem Frühbeet betragen schnell zwischen 10 und 15 Grad mehr als draußen. Wird es zu warm, kann man einfach die Glasabdeckung öffnen oder sie ganz abnehmen.

 

Bereits im Februar oder März kann man ruhigen Gewissens das erste Gemüse säen. Viele unserer Gemüsesorten benötigen zum Keimen nämlich nur eine Bodentemperatur von ca. 5 Grad. Dafür eigenen sich zum Beispiel Radieschen, Rucola, einige Salatsorten und Spinat. Wenn die Bodentemperatur bis zu 8 beträgt, kann man außerdem Karotten und Rüben säen. Bohnen sollten erst dann gesät werden, wenn die Bodentemperatur mindestens 14 Grad beträgt. Im Frühbeet ist dies meist drei Wochen früher der Fall als in normalen Beeten. Sobald man das frühe Gemüse geerntet hat, kann man entweder die gleichen Sorten noch einmal anbauen oder mit Tomaten, Melonen und Gurken beginnen. Empfehlenswert sind Gurken! Indem man den Haupttrieb nach 4-5 Blättern abknipst, bilden sich Seitentriebe, die sich über den Boden ausbreiten.

 

Im Herbst kann man die Saison mit Hilfe der Frühbeete verlängern, indem man mit den Gemüsesorten weitermacht, die man bereits im Frühjahr ernten konnte.

 

Im Winter speichern die Frühbeete genügend Wärme, sodass Salat, Brokkoli, Spitzkohl und sogar Erbsen, die im November gesät wurden, dort überwintern und weiterwachsen können. Der Vorteil der Frühbeete ist, dass der Boden nicht so kalt und nass wird wie der Boden draußen. Diese Kombination vertragen die meisten kleinen Keime nämlich nicht. Legt man ein Wärmebeet an, erreicht man auch in den kalten Monaten schnell die optimale Bodentemperatur.

Und so geht’s:

Frühbeete können auf unterschiedliche Weise gebaut werden.  Mein erstes Frühbeet bestand aus kleinen Strohballen und zwei alten Fenstern. Die Höhe ist nicht so wichtig, weil man den Deckel sowieso oft abnimmt, wenn das Gemüse in die Höhe wächst. Wenn man ein Wärmebeet bauen möchte, muss man entweder einen halben Meter tief in den Boden graben oder man benötigt entsprechend breite und Lange Seiten aus Holz oder anderem Material. Dabei sollte man jedoch beachten, dass die Seiten nicht so hoch sind, dass sie die Sonne abschirmen. Die beste Platzierung für so ein Beet ist nämlich dort, wo es so viel Sonne wie möglich abbekommt. Das funktioniert am besten, indem man die schräge Seite der Glasabdeckung nach Süden oder Westen ausrichtet. Wenn das Glas schräg steht, kann das Sonnenlicht direkt in die Box eindringen und das Regenwasser kann gleichzeitig an den Holzrahmen abfließen. Eine weitere Möglichkeit die Wärme im Beet zu halten, besteht darin das Beet gegen eine nach Süden gewandte Wand zu stellen oder das Beet direkt aus Ziegelsteinen zu bauen. Wände und auch Ziegelsteine speichern nämlich die Wärme der Sonne und geben diese dann ans Beet ab.

 

Wärmebeet

Ein richtiges Wärmebeet kann wie zuvor erwähnt (siehe oben) angelegt werden oder indem man Erde und Pferdemist übereinanderschichtet. Dafür gräbt man ein 0,5m tiefes Loch und füllt es abwechselnd mit 25 cm Pferdemist, 5 cm Erde, 10 cm Mist und schließlich 10 cm Erde. Der Pferdemist versorgt die Kartoffeln mit Wärme und dient späterer als optimaler Dünger.

 

Andere Möglichkeiten zur Wärmeversorgung

Kohl, Rüben und Kartoffeln lassen sich hervorragend in Strohballen anbauen. Der Ballen muss jedoch zuerst mit 150 Litern Wasser getränkt und gedüngt werden. Je nachdem welchen Dünger man verwendet, wird dieser nach Anleitung mit Wasser vermischt und auf den Strohballen verteilt.

 

Die Strohhalme sollten, wie Trinkhalme nach oben zeigen. Sobald man sie mit Wasser und Dünger getränkt hat, steigt die Temperatur automatisch in die Höhe und nach 3 Wochen sinkt sie auf 30 Grad. Die Kartoffeln werden dann in ein Loch im Stroh gepflanzt. Wenn sie zur Ernte bereit sind, steckt man einfach die Hand in das Stroh und nimmt die sauberen und schöne Kartoffeln heraus.

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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