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Lars Lund

08 Sep 2020 15:32

Zucker im Gewächshaus anbauen

 

Die Stevia Pflanze steht im Garten und hat den Nachtfrost überstanden.

Foto: Grøn Kommunikation

 

Eine relativ kleine Pflanze mit weißen Blüten kann ganz einfach den gesamten Zuckerbedarf in einem Haushalt decken. Die Pflanze kann als Süßstoffersatz in Kaffee, Tee, Backwaren und beim Kochen verwendet werden. Außerdem eignet sie sich wunderbar, um den Alltag zu versüßen, wenn man abnehmen oder Karies vermeiden möchte, oder unter Diabetes leidet.

Die Amerikaner und Japaner nutzten die Pflanze bereits seit vielen Jahren und letztes Jahr durften auch die EU-Bürger die Pflanze endlich anbauen. Die Pflanze kann sowohl im Gewächshaus also auch im Garten angebaut werden, allerdings verträgt sie keine Temperaturen unter 10 Grad.

Die Pflanze heißt Stevia Rebaudiana und ein einzelnes Blatt süßt Ihren Kaffee circa 300-mal so viel wie herkömmlicher Zucker. In Pulverform genügt es einen Zahnstocher in das Pulver zu tauchen, um eine Menge zu erhalten, die drei Zuckerrohren entspricht. Ansonsten kann man einfach kochendes Wasser auf die Blätter der Pflanze gießen, um den Süßstoff freizusetzen.

Obwohl nur relativ wenige über die Pflanze Bescheid wissen, ist die Wirkung der Blätter keine Neuentdeckung. Tatsächlich ist sie seit dem 16. Jahrhundert bekannt, als die amerikanischen Ureinwohner Stevia als Medizin verwendeten. In den frühen 1900er Jahren begann die eigentliche Forschung über die Wirkung der Pflanze, und seitdem ist sie Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Die Forschungsergebnisse sind sich jedoch nicht ganz einig: einige kommen zu dem Schluss, dass die Stevia Pflanze neben ihrer medizinischen Wirkung keine Nebenwirkungen hat und somit für die Gesundheit völlig harmlos ist, während andere zu dem Schluss kommen, dass ein Krebsrisiko besteht, insbesondere wenn die Pflanze übermäßig konsumiert wird. Genau diese entgegengesetzten Forschungsergebnisse sind wahrscheinlich der Grund dafür, dass es lange gedauert hat, bis Stevia offiziell als Lebensmittel zugelassen wurde. Einige sind jedoch noch immer überzeugt, dass die Zulassung als Lebensmittel lediglich auf kommerziellen Interessen beruht. Wenn die Produktion erst einmal begonnen hat, wird Stevia einen erstzunehmenden Konkurrenten darstellen, sowohl für Zuckerrüben als auch für andere synthetische Süßungsmittel.

 

Stevia in Cola

In den USA verwendet Coca-Cola bereits einen aus der Pflanze extrahierten Süßstoff als Ersatz für Aspartam, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Am Universitätskrankenhaus in Aarhus wurde der dänischen Arzneimittelbehörde grünes Licht gegeben, um Stevia bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu testen. Bisher haben Studien in Aarhus und der Universität Aalborg gezeigt, dass sich die Pflanze günstig auf Menschen mit Diabetes auswirkt. Sie senkt sowohl den Blutzucker als auch den Cholesterinspiegel und hemmt das Diabetes-verursachende Hormon Glukagon. Die Studien zeigen, dass Stevia die Zellen der Bauchspeicheldrüse stimuliert, die Insulin absondern, was wiederum dazu beiträgt, den Blutzucker aus der Blutbahn in die Muskeln zu übertragen. Wenn der Zucker die Muskeln nicht erreicht, ist der Zuckerspiegel im Blut zu hoch und das schädigt den Organismus.

Aufgrund der Forschungsergebnisse hat die Forschungsgruppe des Universitätsklinikums Aarhus ein Patent für die Behandlung mit Stevia gegen Typ-2-Diabetes erhalten. Mehr als 300.000 Dänen haben Diabetes Typ-2 und werden mit großer Wahrscheinlichkeit von diesem Patent profitieren können.

Mit anderen Worten kann Stevia sich zu einem starken Konkurrenten für die chemische Süßungsmittelindustrie entwickeln. Gleichzeitig bietet Stevia eine alternative für alle, die Zucker meiden möchten, weil sie Diabetes haben oder weil sie gesünder leben möchten.

 

Fakten über Stevia

Stevia Rebaudiana ist kein großer Fan des Winters hier zu lande, dafür gedeiht die Pflanze wunderbar im Gewächshaus. Die Pflanze gehört zur Familie der Aster und stammt aus den nördlichen Teilen Südamerikas. Es gibt ungefähr 200 verschiedene Arten, aber Stevia Rebaudiana ist die einzige, die eine starke süßende Wirkung hat.

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass ein aus Stevia entwickeltes Medikament den Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes um 20 Prozent senken kann. Darüber hinaus kann das Medikament Bluthochdruck um etwa 12 Prozent senken und wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus.

Die Stevia-Pflanze kann als Saatgut in mehreren Online-Shops gekauft werden, und ist auch als kleine Pflanze in einigen Gartencentern, Baumschulen und manchmal sogar in der Supermarktkette Lidl erhältlich.

In freier Natur ist Stevia ein circa ein Meter großer Strauch, der Sonne und einen guten Boden benötigt, und im Winter nicht weniger als zehn Grad verträgt.

Den Zuckergeschmack kann man extrahieren, indem man die Stevia Pflanze, so wie andere Kräuter, trocknet oder zerkleinert. Darüber hinaus kann man sie mit kochendem Wasser übergießen und erhält so, nach einer viertel Stunde, ein flüssiges Süßungsmittel. Dieses flüssige Süßungsmittel kann dann in Flaschen abgefüllt und eine Woche im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Achten Sie darauf, nicht direkt in ein Blatt der Stevia Pflanze zu beißen. Ein Blatt ist so süß, dass es zu einem Übelkeitsgefühl kommen kann.  

Om Lars Lund

Dänischer Gartenexperte & Gartenjournalist

Lars beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gärten und Gewächshäusern. Lars hat diverse Bücher über Gewächshäuser veröffentlicht und an einer Reihe von Gartensendungen des dänischen Fernsehsenders „TV2 Fyn” teilgenommen. Lars ist ein wandelndes Gartenlexikon und kann jegliche Fragen zum Gartenbau beantworten - sowohl in Bezug auf grundlegende als auch kompliziertere Projekte.

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