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Drivhusklubben

08 Sep 2020 15:33

Träumen Sie von einem wilden Garten? Dann ist jetzt die Zeit diesen anzulegen

Vielleicht rettet man keine der vom Aussterben bedrohten Tierarten, indem man einen wilden Garten anlegt, doch dafür sorgt man für Abwechslung und kommt der Natur näher, sagt die Biologin Katrine Turner, die mit ihrer dänischen Firma ”Vildskab“ (dt. Wildnis) Gartenliebhaber dabei unterstützt, die Natur in den Garten zurückzuholen.

 

Text: Nanna Stærmose

Foto: Katrine Turner / Wildheit

 

Biodiversität ist derzeit ein wichtiger Begriff im Wortschatz vieler Gärtner. Doch warum ist dieser Begriff so wichtig, wenn wir unseren Garten und das Gewächshaus gestalten und können wir so wirklich dazu beitragen, den Planeten zu retten?

 

"Nein", lautet die kurze Antwort von Katrine Turner. Sie ist Biologin, Doktorandin und die Frau hinter dem Unternehmen ”Vildskab“ (dt. Wildnis) und dem gleichnamigen Instagram-Profil. Katrine Turner entwirft und gestaltet wilde Gärten und bietet zu diesem Thema sowohl Kurse und als auch Vorträge an.  Laut Katrine Turner ist eines der größten Missverständnisse in Bezug auf biologische Vielfalt, dass wir glauben zur Erhaltung gefährdeter Arten beizutragen. Viele der gefährdeten Arten benötigen jedoch große wilde Naturgebiete, um gerettet zu werden und das ist schwierig, in ein paar Gärten umzusetzen. Trotzdem gibt es einige Vorteile.

 

„Vielleicht kann man die Insekten der Welt nicht retten, indem man vier verschiedene Stauden in den Garten pflanzt, aber man kann den Garten trotzdem zu einem attraktiven Ort für verschiedene Tier- und Insektenarten machen. Das macht den Garten zu einem reichen und interessanten Aufenthaltsort, und man entwickelt eine Beziehung zur Natur, und das fehlt uns “, sagt Katrine Turner.

 

Laub und wilde Blumen

Der Herbst schickt die ersten Vorboten und es ist Zeit im Garten Hand anzulegen. Wenn man sich im nächsten Sommer wilde Blumen und mehr Natur direkt vor der Haustür wünscht, ist jetzt der ideale Zeitpunkt die ersten Vorbereitungen zu treffen. Hierbei empfiehlt Katrine Turner besonders zwei Dinge:

 

„Indem man Laub, Äste und Zweige auf einem Haufen sammelt, schafft man einen idealen Ort, an dem kleine Tiere und Larven überwintern können“, sagt sie.

 

Außerdem eignet sich der September ideal verschiedene Samen von wilden Blumen im Garten zu verteilen. So liegen sie bereit für die nächste Saison und erwecken im Frühjahr zum Leben. Die Samen kann man selbst in der Umgebung, an Grabenrändern oder Wiesen in der Nähe sammeln.

 

„Indem man Samen von Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung sammelt, stellt man sicher, dass man etwas anpflanzt, dass zu den Bodenbedingungen im eigenen Garten passt. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Samen von Pflanzen aus anderen Teilen des Landes genauso gut gedeihen wie die Samen aus dem eigenen Umkreis“, sagt sie.

 

Darüber hinaus empfiehlt Katrine Turner, die Blumen, von denen man die Samen entnimmt, mit einer App oder einem anderen Ratgeber zu überprüfen, um invasive Arten, wie beispielsweise Staudenknöterich oder wilde Pastinaken zu umgehen.

 

Als drittes ist es eine gute Idee jetzt Sträucher und Bäume zu pflanzen, wie zum Beispiel Weißdorn, Weide oder Wildapfel. Der Wildapfel ist war nicht die beste Wahl zum Apfelkuchen backen, aber Vögel lieben ihn.

 

"Es geht darum, darüber nachzudenken, was für die Tierwelt gut ist - Wildapfel liefert den Vögeln Nahrung und ein Weißdorn ist ein großartiger Baum zum Nisten", sagt sie.

 

Nur zweimal im Jahr mähen und den Dünger ganz weglassen

Ein wilder Garten ist nicht nur ein interessanter Garten, sondern auch ein Garten der wenig Pflege bedarf. Unter anderem empfiehlt Katrine Turner das Rasenmähen auf zweimal im Jahr zu minimieren - einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Dadurch entsteht etwas, das eher an eine Wiese als an einen gepflegten Rasen erinnert. Wer möchte kann jedoch etwas häufiger ein paar Wege freilegen, um sich besser im Garten bewegen zu können. In jedem Fall ist es wichtig, das geschnittene Gras zu sammeln und zu kompostieren.

 

„Das gemähte Gras nährt und düngt den Boden. Allerdings ist es von Vorteil, den Boden ein wenig „auszuhungern“, wenn man einen wilden Garten wünscht. Wenn man düngt, riskiert man, dass die Pflanzen, die sowieso schnell wachsen - z. B. Brennnesseln - noch schneller wachsen und somit zu dominant werden. Indem man den Dünger weglässt, schafft man ausgewogene Wachstumsbedingungen, sodass auch langsam wachsende Pflanzen die Möglichkeit haben groß zu werden “, sagt Katrine.

 

Das gleiche Prinzip gilt für die Tierwelt. Je mehr Arten man in den Garten lockt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich gegenseitig in Schach halten, sodass keine Art zu dominant wird. Und dann ermutigt Katrine Turner auch Schädlinge als nützliche Tiere zu betrachten.

 

"Es mag sein, dass der Gedanke, Blattläuse zu haben, nicht besonders ansprechend ist, doch die kleinen Tierchen dienen als Nahrung für beispielsweise Marienkäfer und Blaumeisen, die ebenfalls im wilden Garten zuhause sind", sagt sie.

 

Genauso willkommen ist der Igel. Die kleinen, gemütlichen, wenn auch stacheligen Kreaturen fressen Schnecken - zumindest die Kleinen – und fühlen sich in besagtem Laubhaufen äußerst wohl.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Vorteile eines wilden Gartens

 

  1. Ein wilder Garten bietet mehr Platz für die Natur - und die Natur braucht mehr Platz.
  2. Ein wilder Garten ist besonders dann spannend, wenn man Maßnahmen ergreift, um verschiedene Tierarten einzuladen - zum Beispiel kann man, mit etwas Glück, verfolgen, wie sich Larven in wunderschöne Schmetterlinge verwandeln. Der Aurora-Schmetterling bevorzugt unter anderem Wiesenschaumkraut, um Eier zu legen.
  3. Ein wilder Garten erfordert weniger Pflege als ein Garten mit ordentlichen Beeten. Das Gras muss während der Saison nur ein paar Mal gemäht werden und andere Pflanzen und Stauden können wild und frei wachsen.
  4. Ein wilder Garten macht Sinn für diejenigen, die sich zurücklehnen und einfach das Jetzt genießen wollen.
  5. Im wilden Garten gibt es kein fertiges Rezept. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles kann ausprobiert werden. Also experimentieren Sie, seien Sie neugierig und kreativ!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Katrine Turner

  • Biologin, die ihre Doktorarbeit über die Beziehung zwischen Natur und Gesellschaft geschrieben hat.
  • Steht hinter dem Instagram-Profil „Vildskab”
  • Nahm 2018 gemeinsam mit ihrer Freundin Lilli Gruwier an einer dänischen Gartensendung teil.
  • Hält Kurse und Vorträge über wilde Gärten.